und Kavalier.
Der Hofmarſchall prallte zurück, als habe ihn eine Natter gebiſſen, und da er nicht wußte, wie weit Seine Hoheit dieſes ent⸗ ſetzliche Vorhaben, das er einen unſchuldigen Spaß nannte, im gegenwärtigen Augenblicke zu treiben gelaunt ſei, ſo trat er mit einer tiefen Verbeugung zurück, und war um ſo mehr befugt, dieß zu thun, da ſich die Prinzeſſin in dieſem Augenblicke dem Fürſten näherte.
„Lieber Papa,“ ſagte dieſe mit ungewohnt weichem Tone der Stimme,„Sie wiſſen, daß ich alles Auffallende haſſe, und es müßte auffallen, wenn das, wovon bei der Herfahrt zwiſchen uns die Rede war, hier öffentlich behandelt würde, deßhalb will ich Ihnen auch den Fürſten Georg, der heute noch offiziell um meine Hand an⸗ halten wird, nicht ſelbſt vorſtellen und habe ich den Schloßhaupt⸗ mann Werner darum gebeten, der, der dort kommt,“ ſagte ſie raſch,„und nun, lieber Papa,“ ſetzte ſie lebhaft hinzu, indem ſie ihre Hand auf den Arm ihres Vaters legte,„machen Sie ſich auf die Enttäuſchung gefaßt.“
Der alte Schloßhauptmann Werner trat mit einem heiter lächelnden Geſichte in Begleitung eines ſtattlichen jungen Mannes heran, den der Fürſt niemals geſehen, der ſich aber mit ſo freiem und ſchönem Anſtande näherte, daß Seine Hoheit mit einem faſt ängſtlichen Geſichtsausdrucke ſeine Tochter anſchaute. Dieſe aber blickte ihm von unten herauf ſchelmiſch lächelnd in die Augen und ſagte leiſe:„Dieß, lieber Papa, iſt Fürſt Georg von—
„CEh!“ rief der alte Herr faſt ſo laut, daß es beinahe ein Aufſehen gegeben hätte,————„und der Andere?“
„Iſt, wie er Ihnen ja ſelbſt geſagt, der Oberingenieur Ram⸗ berg,— Details folgen ſpäter, lieber, guter Papa; doch durch⸗ ſchauten Sie ja gewiß dieſes ſo nothwendige Spiel.“
Nun war aber der Fürſt ein würdiger Zögling jener alten ſtaatsmänniſchen Schule, deren Schüler wohl eine Ueberraſchung empfinden, aber nicht ſichtbar werden laſſen durften. Er ſagte deßhalb:„Ei, ei, allerdings durchſchaute ich es und muß geſtehen, daß nicht ſchlecht geſpielt wurde.“


