Teil eines Werkes 
49. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Fürſt und Kavalier. 283

Falſch, lieber Spiegel, darin ſind wir wie die Geizigen, ſagte der Oberſtſtallmeiſter mit einem ironiſchen Lächeln,wir können nie genug bekommen von dieſen ſchimmernden Zeichen unſerer großen Verdienſte.

Hierauf hatte ſich die Kegelpartie getrennt und zwar ſo früh⸗ zeitig, daß Keiner derſelben die beiden Wagen anfahren ſah, deren wir im vorigen Kapitel gedacht.

Der folgende Morgen brach in ganz beſonderer Pracht und Herrlichkeit an: es war an Bäumen, Sträuchern und auf dem Graſe eine ſolche Verſchwendung von Brillanten zu ſehen, daß man hätte glauben ſollen, die Natur habe ſich zu einem ganz beſonderen Feſte geſchmückt; dazu dufteten die Wälder mit den Blumen um die Wette, der Himmel glänzte in tiefem, prachtvollem Blau und ruhte wie ein ſchimmernder Baldachin über der ſonnebeglänzten Erde.

Seine Hoheit der Fürſt hatte in der Frühe des Morgens mit ſeinem Oberſtſtallmeiſter einen Spazierritt gemacht und kehrte um zehn Uhr, langſam durch die ſchattige Partie des Parkes reitend, zurück; die beiden Reiter bogen von einem ſchmalen Seitenwege auf die breite Avenue ein, die ſich, wie wir wiſſen, von dem Por⸗ tierhäuschen in großer Länge nach dem Schloſſe zu ausdehnte. Ehe ſie dieſelbe aber erreicht, bemerkten ſie einen leichten Wagen an ſich vorüberfahren, deſſen raſche und elegante Pferde mit leichtem un⸗ gariſchem Geſchirr ſogleich die Aufmerkſamkeit des Oberſtſtallmeiſters ſo ſehr feſſelten, daß er auf die Frage des Fürſten, wer dieß ſein könne, ſein Pferd antrieb und ſo eigentlich gegen die Etikette Seine Hoheit veranlaßte, ebenfalls ſchneller zu reiten.

Dieſes Geſpann ſehe ich hier zum erſten Male, ſagte Graf Rodenberg,es ſind ungariſche Geſtütspferde von ganz beſonderer Güte, und möchte in der That wiſſen, wem dieſelben gehören.

Der Beſitzer derſelben, meinte der Fürſt,ſcheint ſich durchaus nicht zu geniren, in meinem Parke ſpazieren zu fahren, haben wir nicht Beſtimmungen hierüber erlaſſen?