Teil eines Werkes 
49. Bd. (1873) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Fürſt und Kavalier. 39

allerdings das Fenſter offen, dafür aber auch die Gegend ſo ohne alles Intereſſe, daß es Herr von Felſing mit Schlafen verſuchte, was ihm auch gelang, wenn man jenen Zuſtand voll prickelnder Ungeduld, beunruhigt von lächerlichen Traumbildern, die jeden Augenblick durch das Gefühl, hin und her geworfen zu werden, unterbrochen ſind, ja wenn man jenen qualvollen Zuſtand ſchlafen nennen kann, wo wir jedes Geſpräch unſerer Mitreiſenden, jedes Klirren der Wagenketten, jedes Schnauben der Pferde deutlich aber ohne allen Zuſammenhang vernehmen, uns aber dabei des Gedan⸗ kens, als ſollten wir lebendig begraben werden in einer immer dichter werdenden Staubwolke, ſo daß uns von all' dieſen Schreck⸗ niſſen der Schweiß ſtromweiſe von der Stirne rinnt, nicht ent⸗ ſchlagen können.

Obendrein überfällt uns noch bei ſolch' ruheloſem Schlummer eine bekannte, meiſtens ſehr triviale Melodie, der wir nicht los werden können, und in deren ſich hundert⸗ und aber hundertmal wiederholender Weiſe wir alles andere Geräuſch, das wir hören, ſo zu ſagen rhythmiſch hineinſtopfen. Auf dieſe unerträgliche, be⸗ kannte Weiſe paßt dann das Rollen der Räder, das Klappern der Hufe, das Klirren der Ketten, das Geſpräch unſerer Mitreiſenden, das Flüſtern des Windes, wenn ſich welcher vernehmlich macht, kurz Alles, Alles iſt getränkt, geſättigt, erfüllt von der unausſtehlichen, unverwiſchbaren Weiſe:

Schier dreißig Jahre biſt Du alt, Haſt manchen Sturm erlebt, Haſt mich wie ein Bruder beſchützet,

Und wenn die Geſchütze geblitzet, Wir Beid' haben niemals gebebt.

Endlich hörte der Wagen auf ſo raſch zu rollen, als ein Poſt⸗ wagen zu rollen pflegt, und es ging bergan, und wie es ſchien auf weichem, ſandigem Boden; man hörte kein Klappern der Hufe mehr, auch klirrten die Ketten ſtill und beſcheiden, und der Kaſten des