Fürſt und Kavalier.
mußte er ſich mit einem Innenplatze rückwärts begnügen, da alle übrigen ſchon genommen waren, und fand ſich ohne Seufzen in dieſe unangenehme Lage.
Der geneigte Leſer wird wahrſcheinlich wiſſen, was es zu ſagen hat, an einem heißen Sommertage auf ſtaubiger Landſtraße rück⸗ wärts in vollgepfropftem Eilwagen zu ſitzen: wer hat nicht das Gefühl kennen gelernt, mit dem wir namentlich in den erſten zehn Minuten von vier langen, langen Stunden verſuchten, es uns ſo erträglich als möglich zu machen, oft mit ſehr ſchlechtem Erfolge, wenn unſer Gegenüber und unſer Nachbar Leute von wenig Rück⸗ ſicht ſind, und es namentlich nicht verſtehen wollen, ſich im wahren Sinne des Wortes ihrem Reiſegefährten anzuſchmiegen.
Auch die Cigarre, ein bedeutender Troſt des Reiſenden, war Herrn von Felſing verſagt; denn als er ſein Etuis hervorzog und fragend um ſich ſchaute, verſicherte ihn eine alte Dame in der an⸗ dern Ecke, ſie hätte eigentlich durchaus nichts dagegen, wenn er eine Cigarre anſteckte, nur müſſe ſie ihm die Verſicherung geben, daß ſie bei der Ahnung von Tabaksdampf unfehlbar in Ohnmacht fallen würde. Darauf verſuchte er es, die Augen zu ſchließen und ſich mit ſeinen Gedanken zu beſchäftigen, doch waren dieſe ſo wenig erfreulicher Art, daß er auch das, kurz und tief ſeufzend, wieder aufgab. Darauf unternahm er es, die winzigen Stückchen der Gegend, welche an dem engen Wagenfenſter eilfertig vorüberhuſchten, intereſſant zu finden, doch hatte er noch nicht lange im Anblicke langweiliger Pappeln geſchwelgt, die hinter einem dicken Staub⸗ ſchleier ſcheinbar vorüberzogen, als die Dame, welche den Tabaks⸗ rauch nicht ertragen konnte, ſich ebenſo energiſch gegen den ein⸗ dringenden Staub verwahrte und das Schließen des Fenſters ver⸗ langte, worauf aber ihr Gegenüber, ein dicker Herr, der zum Schaden ſeiner Mitreiſenden über zwei Drittel des Sitzes für ſich in Anſpruch nahm, nicht weniger energiſch erklärte, er habe keine Luſt zu erſticken oder ſich im Schweiße aufzulöſen. So blieb denn
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