Teil eines Werkes 
26. Bd. (1860) Werke
Entstehung
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Der Clubb für unbegränzte Freiheit.

Die rothe Naſe ſah den Spezereihändler mit einem Blick unbe⸗ ſchreiblicher Verachtung an; dann ſagte ſie:„Iſt ein ſtehendes Heer Frei⸗ heit? Iſt Polizei Freiheit? Sind Steuern Freiheit? Sind Capitaliſten Freiheit? Oh, Ihr ſeid blind mit ſehenden Augen. Seht Ihr denn nichts von der Reaktion, die ihr geiferndes Haupt emporſtreckt, eine rieſige Schlange, die Euch langſam, aber unfehlbar einſchnürt?“

„Ha,“ eiferte der Spezereihändler,„Reaktion, was iſt Reaktion? Wo iſt Reaktion?“

„Reaktion!“ ſagte die rothe Naſe, und warf einen mitleidigen Blick hinüber;„weßhalb gehen alle Geſchäfte ſchlecht? Weßhalb ſtockt Handel und Wandel? Weßhalb geht der brave Gewerbsmann zu Grunde?“ 3

„Das iſt keine Reaktion, das iſt ein Unglück,“ ſagte der Spezerei⸗ händler.„Die Gewerbe gehen ſchlecht, weil es an Vertrauen fehlt, nicht einmal weil es an Geld fehlt. Ich muß es am Beſten wiſſen. Wer früher den Zucker bei mir Hutweiſe kaufte, der läßt jetzt täglich einige Loth holen, und wer ein Paar neue Stiefeln ſehr nöthig braucht, der läßt heute, dennoch die alten flicken, da er nicht weiß, ob ihm die goldene Freiheit, von der Ihr immer predigt, nicht morgen die neuen Stiefel vielleicht ausziehen würde.“

„Ja,“ fiel jetzt ſein Nachbar in's Wort, der ein Möbelſchreiner war,„ſo iſt's, bei Gott, ſo iſt's! Hab' ich doch von zwanzig Geſellen nur noch zwei, und von denen iſt obendrein der eine ein Schneider, der nur Fenſtervorhänge flickt. Ja, Ihr ſeid es, die Handel und Wandel darniederdrücken, mit Eurem loſen Maul und Euern auf⸗ rühreriſchen Reden und Euern Wühlereien. Nennt mir einen einzigen Menſchen, der durch Eure fortgeſetzten Aufhetzereien was profitirt hätte. Die Steuern ſind erhöht, Arbeit gibt's keine, und wenn bei dem armen Gewerbsmann das Bischen, was er in früheren Jahren verdient hat, aufgezehrt iſt, ſo hat er Eure Freiheit errungen, dann iſt er frei, wie der Vogel auf dem Zweig, ohne Nahrung und Obdach, frei, daß ſich Gott erbarme!“