Teil eines Werkes 
26. Bd. (1860) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

252 Der Clubb für unbegränzte Freiheit.

rothen Naſe in die Rede fallen. Aber die rothe Naſe war im Zug wie eine überheizte Lokomotive und fuhr ſauſend und ſchnaubend fort: „Was iſt Freiheit? Iſt das bischen Preßfreiheit Freiheit? Iſt ein

volksthümliches Miniſterium Freiheit? Iſt Oeffentlichkeit und Münd⸗

lichkeit, iſt Vereinsrecht Freiheit? O nein! Das verſteht ſich Alles von

ſelber, denn da der freie Mann Alles das thun kann und ſoll, was

ihm beliebt, ſo fallen ihm dieſe Lappalien, dieſe Brocken, die man ihm wie dem hungrigen Hunde hinwirft, von ſelbſt zu. Der wahre freie Mann iſt der, der wahrhaft frei iſt, und der wahrhaft frei iſt, das iſt ein freier Mann! Aber Ihr Alle,“ dieß ſprach der Mann mit unbe⸗ ſchreiblichem Pathos,„ſeid Geknechtete, Unterdrückte, ſeid Sklaven!“ Jetzt war der kleine Spezereihändler nicht länger zu halten. Zuerſt brach er in ein lautes Lachen aus, das höhniſch klingen ſollte. „Hör' mir einer an,“ ſagte er dann, nich ſei ein Sklave, wagen

Sie zu behaupten. Ich ſei ein Gefeſſelter, Unterdrückter? Weßhalb bin.

ich ein Sklave? Kann ich nicht thun und laſſen, was mir beliebt? Habe ich nicht Alles errungen, was man erringen kann? Und dann,“ ſetzte er in einem etwas weinerlichen Tone hinzu,„begreife ich eigentlich nicht, warum ich mich in den Clubb für unbeſchränkte Freiheit habe aufnehmen laſſen, damit man mich jeden Abend auf's Allerſcheußlichſte herunterſchimpft! Und damit ich nicht einmal die Freiheit habe, zu

ſagen, daß ich mich unter den jetzigen Einrichtungen vollkommen frei⸗

genug fühle!“

„Er hat hat ganz recht,“ ſagte leiſe ſein Nachbar, und mehrere Andere nickten ihm beifällig zu, obgleich die rothe Naſe in ihrer Wuth unzählige Gläſer Wein hinter einander austrank.

„Warum,“ fuhr der Spezereihändler fort,„warum nutzt mich die Freiheit nichts, die wir einmal errungen haben? Warum, das möchte ich wiſſen?“

„Weil das keine Freiheit iſt,“ ſagte der Handſchuhmacher;„nur

auf den Bergen iſt Freiheit. Ich will thun und laſſen können, was mir beliebt.“

— —y