Teil eines Werkes 
26. Bd. (1860) Werke
Entstehung
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deutſcher bildender Künſtler. 241

digter Tafel die ganze Künſtlerſchaft in geordneter Reihe, Fahne und Muſik voran, durch die Straßen der Stadt nach der Rochuskapelle begab, wurde der Dank für den freundlichen Entſchluß der Bingener Damen manch ſchöner Repräſentantin derſelben, die ſich am Fenſter ſehen ließ, durch lautes Hurrah dargebracht.

In einem einſam ſtehenden Hauſe auf der Höhe der Rochuskapelle mit Gärtchen und Veranda wurde Halt gemacht und Kaffee genommen. Wer an die Geſchirre ſelbſt keine übermäßigen hier gewiß ungerecht⸗ fertigten Anſprüche ſtellte, konnte ſchon zufrieden ſein; für die Löffel ſah man ſehr idylliſche Surrogate, dafür herrſchte aber eine Unmaſſe von Luſt und Heiterkeit, und bei den Klängen der rauſchenden Mili⸗ tärmuſik verfloſſen die Stunden wie Minuten. Bald ſetzte man ſich wieder in Bewegung und zog hinüber zur Rochuskapelle, wo ſich die ganze Verſammlung am Abhange eines Berges in einer muldenförmi⸗ gen Vertiefung lagerte. Das war ein prächtiger Anblick, die kräftigen Geſtalten in allen Stellungen hier ruhen zu ſehen, begeiſtert von dem Feſte überhaupt und hier noch beſonders durch den ſchönen Abend und die weite, wunderbare Ausſicht von der Bergeshöhe, auf der wir uns befanden. Schimmernd und glänzend in Duft und Abendſonnenglut lag das Rheinthal vor uns, und während der majeſtätiſche Fluß ſelbſt oberhalb noch hell beſtrahlt war, waren die Felſen um Bingen mit dem Mäuſethurm ſchon in tiefe Schatten gehüllt, und aus dem ein⸗ geſchloſſenen Keſſel dort ſchienen ſchwarze Dämpfe aufzuſteigen, die als nächtlich dunkle Wolken mit der glühenden Sonne um die Herrſchaft rangen.

Einen ſolch ſchönen Abend auf den Bergeshöhen am Rhein zu genießen, iſt an ſich ſchon etwas werth; daß er aber tauſendfach ſchö⸗ ner iſt, wenn der letzte Strahl der Sonne den funkelnden Wein im Glaſe vergoldet, hatte unſer freundlicher Wirth, Baron von Landy, deſſen Villa ſich am Fuße des Berges, auf dem wir lagerten, befindet, tief empfunden.— Und auf einmal erklommen zwei kräftige Geſtalten

Hackländers Werke. XXVI. 16