234 Die erſte Verſammlung
zu machen, und wenn es auch, was dieſe anbetrifft, vielleicht dankbar anerkannt werden muß, daß ſie durch ihre Ausſtellungen und Verloo⸗ ſungen auch weniger bekannten Künſtlern behülflich waren, ihre Arbei⸗ ten zu verkaufen, ſo wird doch bei vielen über eine ſehr unerquickliche Protektion Einzelner geklagt, ſowie über ein Schiedsrichteramt beim Ankauf von Bildern, welches ſich die Vorſtände mancher Kunſtvereine angemaßt, ohne ſelbſt Künſtler oder auch nur Kunſtkenner im wahren Sinne des Wortes zu ſein. Es iſt ſelbſtredend: jeder Arbeiter ſoll ſeines Lohnes gewiß ſein, und wenn ein Bild mit noch ſo großer Liebe entworfen und ausgeführt wird, ſo iſt es doch für den Maler die angenehmſte Perſpektive, es durch Kauf in gute verſtändige Hände übergehen zu ſehen, und hiezu die Vermittler zu ſpielen, ſchienen ſich die Kunſtvereine anfänglich zu ihrer Aufgabe machen zu wollen. Aber auch darin haben viele derſelben ihr Wort nicht gehalten; ſtatt als deutſche Kunſtfreunde die deutſchen Künſtler zu unterſtützen, könnten wir Vereine namhaft machen, die bei ihren Ankäufen über die Hälfte belgiſche und franzöſiſche Bilder erwarben, und bei ihren Ausſtellungen den ausländiſchen Malern Rechte einräumten, die leider ohne Recipro⸗ cität blieben. So verſendet z. B. ein Pariſer Maler durch ganz Deutſchland nach Wien oder Königsberg portofrei ſeine Bilder unter der Adreſſe des betreffenden Kunſtvereines, welcher dafür beſorgt iſt, daß das zugeſandte Bild ausgepackt und aufgeſtellt wird; der deutſche Künſtler dagegen kann es kaum erlangen, daß von der Grenze des betreffenden Landes ſein Bild ohne Koſten bis an den Ausſtellungs⸗ platz geht, dort aber muß er für einen Kommiſſionär ſorgen, der das Bild in Empfang nimmt und das Weitere beſorgt.
Nach dieſer zweiten Sitzung war das gemeinſchaftliche Mittageſſen in den geräumigen Sälen des Badehauſes ſelbſt arrangirt und verlief unter den mannigfaltigſten Toaſten ebenſo heiter wie das geſtrige. Da ſich das Wetter heute ſchon beſſer anließ, ſo war eine allgemeine Partie von Aßmannshauſen über den Niederwald auf die Roſſel und auf den Apollotempel und von da nach Rüdesheim verabredet worden,
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