Zwei Nächte. 17
bald rechts, bald links flog der Hinterwagen, der Huſar auf dem Bock hielt ſich erſtaunt an der Seitenlehne, und Häuſer, Bäume, Brücken⸗ geländer und Wegſteine ſchienen eilfertig und entſetzt vorbei zu huſchen. In weniger als einer Stunde hatten ſie die Station zurückgelegt und vor ihnen durch die Nacht glänzte ein einſames Licht aus dem erſten Hauſe von Caſal Puſterlengo.
Das Poſthaus lag jenſeits des Dorfes an einer Anhöhe, welche mit Maulbeerbäumen und Reben bedeckt, ſich dicht an die hintere Seite des kleinen Wohnhauſes ſchmiegte. Die Poſthalterei ſelbſt und die Stallgebäude lagen etwas abſeits und obgleich der Poſtillon von Lodi, während er durch den ſtillen Ort fuhr, ein Uebermögliches ge⸗ than mit Peitſchenknallen und lauten Hallohs, ſo ſah man doch, nachdem die Caleſche ſchon eine ziemliche Zeit vor den Stallungen hielt, auch noch nicht das geringſte Zeichen von Leben in denſelben. Erſt nachdem der Poſtillon und der Huſar, jener mit der Peitſche, dieſer mit dem Säbel, die Stallthüre eine Zeitlang angelegentlich bear⸗ beitet hatten, bemerkte man, daß in einer Dachkammer Feuer ange⸗ ſchlagen wurde. Bald darauf wurde ein Kopf mit zerzausten Haaren oben ſichtbar und nachdem ſich der Hinauslugende überzeugt, da unten halte eine Ertrapoſt, polterte er die Treppen herunter, öffnete die Stallthüre und kratzte ſich verlegen in dem ſchwarzen Haarwald, als der Graf ſo ſchnell wie möglich friſche Pferde verlangte.
„Gott ſoll mir gnädig ſein und die Madonna!“ ſagte der Stall⸗ knecht,„aber Euer Gnaden werden wahrhaftig eine Zeitlang warten müſſen. Seit drei Stunden iſt die Poſt von hier weg, die Poſt mit einer Beichaiſe und die Pferde können in einer halben Stunde zurück⸗ kommen.“
„Und ſonſt habt Ihr nichts im Stalle?“ fragte der Graf ärgerlich,
während der Poſtillon von Lodi verſchmitzt lachend ein Zeichen machte,
welches ausdrücken ſollte:„Habe ich es Euch nicht geſagt?“— „Wo find denn Eure Extrapoſtpferde? Ihr müßt doch nach dem
Reglement deren wenigſtens vier haben.“
Hackländers Werke. XXVI. 2


