Familien⸗Concert. 271
So fand ihn nach wenigen Minuten der Regierungsrath Zwicker, der ihm gefolgt. War deſſen Geſicht ſchon vorher vom Zorne geröthet, ſo wurde daſſelbe bei der Stellung, in der er Herrn Schmelzing traf, und die allerdings auch auf einen andern Zuſtand, als den der Ver⸗ zweiflung gedeutet werden konnte, jetzt⸗dunkelblau; ſeine Hände ballten ſich ein wenig, und wer weiß, was geſchehen wäre, hätte es Herr Zwicker nicht vortrefflich verſtanden, ſich zu bemeiſtern. So zuckte er einfach mit den Achſeln und ſagte ruhig und groß:„Herr, verlaſſen Sie mein Haus, Sie ſind unverbeſſerlich und in einem unzurechnungs⸗ fähigen Zuſtand.“
Daß die Polonaiſe nicht zu Ende geſpielt wurde, brauchen wir dem geneigten Leſer wohl nicht zu ſagen. Wenigen der Zuhörer war dies übrigens ein Kummer, denn das Familien⸗Concert hatte bis nach elf Uhr gedauert. Madame Zwicker, eine Frau von Takt und Ein⸗ ſicht, ließ übrigens die Verwirrung im Salon nicht überhand nehmen, vielmehr öffnete ſie im entſcheidenden Momente die Thüre des Zim⸗ mers neben der Küche, die am Anfang des Concerts geſchloſſen wor⸗ den, und bald ging der angenehme Ruf von Mund zu Munde: Wenn es gefällig wäre— zum Souper. Mit wahrem Heroismus vermochte ſie einſtweilen zu überhören, daß von fern Lärm und Geſchrei der beiden kleinen eingeſperrten Buben zu ihren mütterlichen Ohren her⸗ überklang. Nach längerem Spielen mit ihrer Waſchſchüſſel ſollte der See, den dieſelbe vorſtellte, in bewegtem Zuſtande dargeſtellt werden; dieſe Bewegung wurde aber zu heftig ausgeführt, die Schüſſel fiel um, und das Waſſer übergoß die Spieler und floß unter der Thüre durch in das letzte Geſellſchaftssimmer. Erſt nachdem die Ordnung am Tiſch hergeſtellt, ſchlüpfte Madame Zwicker hinaus, um die Ur⸗ ſache des Lärms zu erkunden. Dann aber überließ ſie einer in der Küche helfenden Frau das Waſſer aufzutrocknen und die kleinen Un⸗ holde zu beruhigen, und nahm in ruhiger Größe ihren Platz am Tiſche ein.
Die meiſten Gerichte des Soupers waren gut zubereitet, und da nichts ſo geeignet iſt, eine augenblickliche Aufregung und Verſtim⸗ mung zu beſchwichtigen, wie ein gutes Eſſen, ſo fanden ſchon nach der erſten Schüſſel die meiſten, daß Abtheilung I. des Concertes glän⸗
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