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füllt ſich der Salon, dann fließt die Maſſe der Eingeladenen in die angrenzenden Zimmer, und ſo immer weiter, bis endlich der ganze Boden bedeckt iſt. Man freut ſich, einander zu ſehen, man ſtellt vor und wird vorgeſtellt, man lacht und plaudert; junge, angehende Kanzleibeamte, nachdem ſie ſo glücklich waren, einen freundlichen Gruß, ja vielleicht einen Händedruck ihrer Vorgeſetzten zu erhalten, drücken krampfhaft den Hut auf den eingezogenen Bauch und tapeziren Ecken und Wände.— Der Thermometer zeigt achtzehn Grad.— Selbſt⸗ bewußte Damen der höheren Beamtenklaſſe, ſowie anerkannte Schön⸗ heiten halten die Mitte der verſchiedenen Zimmer und ſtehen da wie Felſen im brandenden Meer, empfangen Huldigungen und theilen gnädige Blicke aus. Junge Damen von verſprechender Zukunft, die aber noch nicht alt genug ſind, um ſelbſtſtändig auftreten zu können, umgeben dieſe Felſen der Geſellſchaft wie friſches Moos oder faftige Pflanzen die altersgrauen Steine und vor ſie hin wirft die ab- und zuſtrömende Flut unterſchiedliche Seethiere dieſes Geſellſchaftsmeeres, Krabben und Seekrebſe in Geſtalt von ſchwarzen, ernſthaften Aſſeſſoren und Referendären mit ſeltſamen Frackſchößen und Brillen auf der Naſe; Sterune in Form von dicken Kanzleiräthen mit dem Verdienſt⸗ kreuz auf der Bruſt; ſchillernde, bewegliche und zappelnde Molusken, dargeſtellt durch bunte, gelenke Lieutenants, und als ordinäres Muſchel⸗ und Schneckenwerk Kaufleute, Maler, Bildhauer, Schrifſteller und der⸗ gleichen Geſindel.— Der Thermometer hat ſich unterdeſſen beeilt, auf vierundzwanzig Grad zu ſteigen, und das Lächeln der Regierungsräthin Zwicker, welches bei achtzehn Graden bald majeſtätiſch, bald gnädig oder ſchalkhaft war, fängt an krampfhaft zu werden, wobei ſie ſchwer athmet und ihre röthliche Geſichtsfarbe ſtark ins Bläuliche ſchimmert.
Der Regierungsrath ſteht noch immer an der Thüre, noch fehlt der Departementschef, und ihn nicht am Eingang zu empfangen, wäre mehr als Majeſtätsverbrechen. Endlich kommt er, und nachdem er ſich an der Thür die Brillengläſer abgewiſcht, die ihm von der furchtbaren Hitze ſogleich anliefen, ſchreitet er an der Seite ſeines Untergebenen durch die Zimmer, begrüßt Madame Zwicker, winkt und nickt nach allen Seiten und iſt ſo freundlich, das Appartement außer⸗ ordentlich charmant zu finden. Nach ihm erſcheinen durch die Thüre des
Familien⸗Concert.


