Teil eines Werkes 
25. Bd. (1860) Werke
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Familien⸗Concert. 259

vielleicht auch:Und Abends wird geſungen, während ein alter, er⸗ grauter Kämpfer in der Arena familienconcertlicher Freuden nachden⸗ kend murmelt:Um Ausdauer wird gebeten.

So iſt denn der große Abend gekommen; Regierungsrath Zwickers wohnen im erſten Stock, die Treppe iſt mit einer Spiegellampe tag⸗ hell beleuchtet, oben ſind die Glasthüren entfernt und im Gange ſtehen rechts und links in Kübeln zwei Oleander, auf einer Seite die Küchen⸗ thüre verdeckend und zu gleicher Zeit ein mäßiges Spalier bildend, welches die Ankömmlinge in den Salon weist. Dieſer iſt vortrefflich erhellt und ſanft erwärmt. Rechts und links ſind die Thüren in die anſtoßenden Zimmer ausgehoben, und wenn ein Unkundiger die fünf geöffneten Piecen durchwandelt, alle zum Empfang der Gäſte herge⸗ richtet, ſo muß er eine große Meinung haben von den Appartements des Regierungsraths. Denn natürlich iſt alles feſttäglich, nirgendwo Betten und gewöhnliche Haushaltungsgeräthe; die Räumlichkeiten dazu, denkt man, werden hinter der letzten Thüre anfangen, und dort noch eine Enfilade von wenigſtens vier weitern Zimmern ſein. Aber nur die Freunde des Hauſes wiſſen, daß dort das Ganze mit einer kleinen Kammer abſchließt, die aber am heutigen Abend wie ein vollgepfropf⸗ tes Möbel⸗Magazin ausſieht. Dort iſt eine förmliche Wagenburg von Betten und Möbeln dritten Ranges, eine Wagenburg, die nur eine kleine Ecke frei läßt, in welcher ſich auf dieſe Art eng umſchloſſen die beiden jüngſten Sprößlinge der Zwicker'ſchen Familie befinden. Dieſe erſchienen, nachdem das eheliche Glück der Familie eine längere Zeit pauſirt, zwei Buben von vier bis ſechs Jahren, verwegene Geſellen, zu allen möglichen tollen Streichen aufgelegt. Nicht einmal durch die aufgethürmte Wagenburg ſind ſie zu bändigen, denn dieſe wurde von dem älteren ſchon einmal erklettert, worauf er, an der anderen Seite hinabrutſchend, eine Waſchſchüſſel und ein paar Gläſer mit herunter⸗ riß, was einen erſchrecklichen Lärmen verurſachte. Dies geſchah glück⸗ licherweiſe vor Anfang der Soirée und veranlaßte den Vater Zwicker zu einer ernſten Rede, welche Belohnung und Strafe verhieß, ſehr viel Kuchen nämlich oder ſehr viel Prügel.

Endlich kommen die Gäſte, zu Fuß oder zu Droſchke; die letz⸗ teren werden von der Regierungsräthin freundlicher begrüßt. Zuerſt