Familien⸗Concert. 253
beiden Fräulein Zwicker, reſignirten, zuweilen ſeufzenden Weſen von ungefähr achtundzwanzig bis dreißig Jahren, die es von dem großen Schiller ziemlich abſurd fanden, daß er einſtens geſungen:
O daß ſie ewig grünen bliebe Die ſchöne Zeit der erſten Liebe!
Denn Amalie meinte:„was iſt eine erſte Liebe?— ein Unding, ein Probirſtein, um zu erfahren, ob das eigene Herz auch ächtes acht⸗ zehnkarätiges Gold iſt.“—„Ein Wahnſinn,“ ſagte dabei Laura, die Jüngere,„die erſten ungenießbaren Schößlinge eines Spargelfeldes, das Durchblättern von Titeln und Vazreden eines jungen Romans.“
Ausgeſchloſſen von dieſem Fam ienrathe war der junge Herr
Zwicker, Kanzlei⸗Aſſiſtent und Mitglied der Liedertafel. Er hatte bei einer ähnlichen Gelegenheit zu extravagante Ideen an den Tag gelegt
und gemeint, das Schöne ſei und bleibe ſchön, auch wenn es in der allerletzten Rangklaſſe erſcheine.
Der Regierungsrath, ein kleiner, ſehr lebhafter Mann mit einer ſehr hohen Stirne, die ſich von Jahr zu Jahr vergrößerte, auf welche
er ſich aber etwas einbildete, ſchritt im Zimmer auf und ab, las die
betreffenden Namen vor, und wo weder Frau und Töchter etwas zu erinnern hatten, fügte er einen dicken Bleiſtiftſtrich hinzu.„Herr Di⸗ rector von W.“ Die Regierungsräthin machte eine zuſtimmende, tiefe, ehrfurchtsvolle Verbeugung.—„Mit zwei Töchtern.“— Ebenſo. „Und ſeiner ſchönen Nichte.“—„Die könnte man weglaſſen,“ meinte Amalie entſchieden, während Laura, boshaft lächelnd, auf ihre Kafſee⸗ taſſe ſah.—„Wo denkſt du hin!“ entgegnete der Regierungsrath; „es wäre eine Unhöflichkeit gegen den Herrn Director, und dann—“ ſetzte er ſchüchtern hinzu.—„Und dann?“ fragte Amalie, etwas ge⸗ reizt.—„Nun ja, und dann—“ fuhr der Vater fort, indem er wie zur eigenen Ermuthigung mit ſeinem Papier in der Luft herumfuch⸗ telte,„dann muß man auch Rückſicht nehmen. Du weißt, daß der Herr Referendär von Strammer von jeher die Zierde unſerer Concerte
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