252 Familien⸗Concert.
können; wenn ich nicht irre, gibt es für Sklaven⸗ und Auswanderer⸗ ſchiffe darüber eine Verordnung. Leider nicht für Familien⸗Concerte und Hausbälle! Iſt man doch da Augenzeuge von Erſcheinungen, die an's Fabelhafte ſtreifen. Und wollteſt du am andern Tag nach einem Familien⸗Concerte Jemanden in den Appartements herumführen und ihm ſagen: hier zwiſchen der Tiſchecke und dem Ofen ſtand ſtun⸗ denlang ein Menſch, dort hinter der Sophalehne ein anderer, in der engen Thüre aber, die du dort ſiehſt, ſechs neben einander, von ſieben bis neun, und noch obendrein auf ihren Zehenſpitzen, dabei huthal⸗ tend, ſchweißrieſelnd und applaudirend,— er würde dich mit einem Blicke beſchenken, wie man em verächtlichen Lügner zollt.
Doch ſehen wir weiter. Das Appartement kann alſo ſo und ſo viele Perſonen faſſen, dazu ſchlägt man noch zwanzig Procent für Abmeldungen wegen plötlichen Unwohlſeins und ferner zehn vom Hundert weiter, was man in der Verpackungsſprache„Einſtreuſel“ nennt, junge Supernumeräre, Kanzlei⸗Aſſiſtenten, ganz neue Lieu⸗ tenants und angehende Aerzte ohne Praxis. Das iſt jung, ſchmieg⸗ ſam, vor allen Dingen aber für die bejahrten Töchter ehrbarer Fami⸗ lien hoffnungsvoll, wird geduldet, zwiſchen ſich verſteckt und findet ſchon ſein Plätzchen. Wo? i*ſt freilich eine andere Frage. Auch ich war einmal jung und wurde gern gelitten und befand mich in ähn⸗ lichem Falle als Mittelſtück zwiſchen einer ſtarken Directorstochter und einer wohlbeleibten Wittwe,— ich als dünne Fleiſchſchnitte, das Ganze einem ungeheuren Sandwich vergleichbar, einem rieſenhaften Butterbrode mit Schinken.
Iſt die Frage des Wieviel? glücklich erledigt, ſo kommt die wich⸗
rathe vorgelegt wurde. Dieſer Familienrath beſtand aus Madame Zwicker, einer ziemlich corpulenten Frau mit freundlichem Geſichte, etwas ſtark röthlichem Teint und hellblonden Haaren, ſowie aus den


