*
Gefährliche Blumenſträuße. 239
„Nun, an Uebertreibungen läſſeſt du's nicht fehlen,“ ſagte Julius. „Ich bitte dich, Vicomte, komm einmal zum Abſchluß.“
„Bis dahin verging noch eine qualvolle Nacht,“ entgegnete dieſer luſtig.„Mir träumte von Teufeln, die lächelten, und von Engeln, die lachten. Wir trafen uns am anderen Morgen wie gewöhnlich beim Frühſtück und zum Deſſert brachte der Lohnbediente einen ziemlichen Korb von Seiten der Lady.“
„Es war eine Schachtel,“ ſagte Julius ernſt.
„Meinetwegen. In der Schachtel waren drei kleine Körbe.“
„Schachteln!“ wiederholte Julius.
„Du ſollſt recht haben, aber mir kamen ſie gleich Körben vor. Auf jeder ſtand die Adreſſe von einem von uns, und wir nahmen ſchweigend die ominöſen Geſchenke in Empfang. Ehe wir aber die Schachteln öffneten, lächelten wir zuerſt alle drei wie ertappte Schul⸗ buben, und dann als die Deckel abgehoben waren, brachen wir in ein gemeinſames Lachen aus. Ich erhielt den Blumenſtrauß des Grafen Nieden, den dieſer an die Lady adreſſirt und den der Lohnbediente mit meiner Karte abgegeben hatte. Eliſabeth ſandte dem Grafen das Bouquet von Julius, und Eveline verehrte dieſem das meinige. War je eine ſolche Confuſion erhört worden? Daß wir uns gewaltig ärgerten,
vird uns Niemand übel nehmen, die Sache hatte ſich in der That unangenehm entwickelt, und wem verdankten wir die ganze Beſcheerung? — Der Unachtſamkeit unſerer Bedienten.“
„Aber das iſt köſtlich, Vicomte,“ rief heiter die Baronin.„Ver⸗ zeihen Sie mir, daß ich nicht lächle, ich muß gegen allen Anſtand laut lachen. Aber wie die Verwechslung eigentlich geſchah, begreife ich immer noch nicht recht.“
„Es war das Schickſal roh und kalt,“ ſprach der Vicomte,„das Schickſal in Geſtalt unſerer Bedienten und eines Weinhauſes. Die Geſandten unſeres Freundes Julius und des Grafen glaubten ſich zu ihrer Botſchaft durch ein Glas guten Orvietos ſtärken zu müſſen, und
da der Lohnbediente der gleichen Anſicht war, fand ſich das liederliche
„—


