Ein Geheimniß. 33
aber trotz der ſehr großen Hitze einige ſehr kühle Tage bei unſern Damen verlebten.“
„Aha!“ lachte der Major,„wo ſie mit uns ſchmollten!“
„Allerdings!“ fuhr der Baron fort.„Und daran war abermals der Vetter ſchuld. Als lernbegieriger Reiſender muß man Alles mit⸗ machen, und ſo trugen wir auch kein Bedenken, eine Einladung zu einer Abendunterhaltung anzunehmen, wobei ſich arabiſche Tänzerinnen producirten. Der Major hatte dabei die Unklugheit, den blonden Gentleman mitzunehmen; und das Ende vom Liede war, daß dieſer den alten General am Morgen darauf durch eine Erzählung des Ge⸗ ſehenen zu erheitern ſuchte. Weiß der Teufel, ob eine der jungen Damen im Nebenzimmer gelauſcht— kurz und gut, wir hatten Schnee⸗ wetter in Aegypten.“
„War denn dieſe Abendunterhaltung ſo außerordentlich gefährlicher Art?“ fragte wißbegierig der Geſandtſchafts⸗Secretär.
„Das gerade nicht. Es kamen nur einige Nationaltänze, die für europäiſche, namentlich für engliſche Begriffe nicht ganz in den Grän⸗ zen des Schicklichen und Erlaubten zu bleiben ſchienen, z. B. der Bienentanz.“
„Ei der Tauſend!“ ſagte der Hausherr.„Wir wollen wiſſen, was der Bienentanz iſt.“
„Der Bienentanz iſt meiſtens das Finale einer ſolchen Abendunter⸗ haltung. Als das Schönſte in den Augen der Orientalen wird er zuletzt dargeſtellt. Ihr habt von dieſen arabiſchen Tänzerinnen ſchon gehört?— Es ſind junge Mädchen von ungefähr vierzehn bis acht⸗ zehn Jahren, von äußerſt elaſtiſchem, ſchlankem und ſchönem Körper⸗ bau. Ihr Teint iſt für Aegypten ziemlich hell, ungefähr wie der der Sicilianerinnen. Sie tragen weite, weiße oder blauſeidene, mit Gold. und Silber geſtickte Beinkleider, welche aber im Gegenſätze zu denen der anderen Orientalinnen unten nicht zuſammen geſchnürt ſind, viel⸗ mehr frei um die ſehr kleinen und zierlichen Füßchen flattern. Den
Hacklaͤnders Werke. XXV, 3 3


