Toiletten⸗Geheimniſſe. 247
merkſam ſeine Zeitungen. Doch ſtudierte er beſonders die hinteren Seiten derſelben, wo ſich die Annoncen befanden. Als der Graf eintrat, wandte er kaum den Kopf herum, nickte vielmehr nur leicht, als ihm dieſer ſagte:„verzeihen Sie, Baron, daß ich Sie ſitzen ließ, aber Sie wiſſen, Herrendienſt geht vor allem Anderen. Ich muß um elf Uhr ins Schloß, und es iſt wahrſcheinlich ſchon halb vorbei; da muß ich mich ungeheuer beeilen.“
„Ei, mein lieber Graf,“ entgegnete der Baron mit ſanfter Stimme, indem er ſeine Taſſe niederſetzte und ſich auf die zierlichſte Art von der Welt den Schnurrbart ſtrich,„da haben Sie Zeit genug. Ihr vortrefflicher Kutſcher bringt Sie ja in zwei Minuten an die Thüre der Freitreppe.“
„Da haben Sie Recht, mein Beſter,“ verſetzte der Graf, der aus einer reich mit Gold und Steinen incruſtirten Mappe eine Lage Poſtpapier heraus nahm.„Aber ich bin Geſchäftsmann und muß vorher noch einen wichtigen Brief ſchreiben. Doch um Sie nicht in Ihrer Lectüre zu ſtören, will ich mich ins Nebenzimmer begeben.“
„Ich leſe Anzeigen,“ ſprach gähnend der Baron,„fand aber da etwas, was mich erſchreckte. Da iſt ein Kerl, der kündigt einen Odeur an, von dem er ſagt, es ſei das feinſte Oel, was man den Roſen entziehen könne und habe den ſanften Geruch dieſer Blume, ohne jedoch an das Scharfe, Unangenehme des gemeinen Roſenöls zu erinnern.“
„Das wäre Ihr coeur de rose!“ entgegnete Graf Fohrbach. „Ei, ei! Baron, am Ende hat Sie Ihr Armenier verrathen und Ihr Geheimniß iſt in Jedermanns Munde.“
„Unbeſorgt!“ ſagte der Baron, indem er ſein Battiſttuch her⸗ vorzog und es unter die Naſe preßte;„dieſe Feinheit bringt nur er hervor, und wenn der Kerl da in in der Zeitung wirklich etwas Aehnliches anpreist und verkauft, ſo wird doch die gemeinſte Naſe den Unterſchied deutlich riechen.“


