Teil eines Werkes 
16. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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228 Neunzehntes Kapitel.

ihren großen klaren Augen ſo unbefangen und unſchuldig ange⸗ ſehen, und eine ſo unpraktiſche Antwort gegeben, daß Marie wohl einſah, die Andere wiſſe in dem Falle eben ſo wenig zu helſen als ſie ſelbſt.

Weißt du was, hatte Clara geſagt,ſprich mit Thereſe darüber, die wird dir einen guten Rath ertheilen können, denn wie ſie kennt Niemand die Stadt und ihre Verhältniſſe.

Darauf hatte Marie ihre Toilette beendigt, indem ſie ein Hütchen mit Blumen recht keck und verwegen auf der linken Seite des Kopfes befeſtigte, Unter demſelben wallten die üppigen Haare hervor, und als ſie ſich im Spiegel beſah, mußte ſie geſtehen, daß ſie gar nicht unvortheilhaft ausſehe. Und darin hatte ſie Recht: ſie war nett und zierlich vom Kopf bis zu den Fußſpitzen.

Mit ſich ſelbſt zufrieden, tänzelte ſie die Treppen hinab, und als ſie auf die Bühne trat, warf ſie einen forſchenden Blick rechts und links, vielleicht um Mademoiſelle Thereſe zu finden, vielleicht auch nicht; und Letzteres erſcheint uns ſehr wahrſcheinlich, denn Thereſe lehnte an der erſten Couliſſe und ſchien gleichgültige Dinge mit einem der Tenoriſten zu ſprechen. Marie aber wandte ſich nach dem Hintergrunde und ſchritt, die Füße ſehr auswärts, mit dem Rock hin und her wedelnd, langſam bei der achten Couliſſe vorbei, wo ſich wieder Einige aus der Geſellſchaft des erſten Aktes verſam⸗ melt hatten. Andere aber fehlten, unter dieſen Richard, der ganz hinten beſchäftigt war, irgend ein neues Seil über eine Rolle zu werfen. Daß er dies ſehr ungeſchickt that, wollen wir ihm im ge⸗ genwärtigen Augenblicke nicht übel nehmen, denn er ſah weder auf das Tau noch auf die Rolle, vielmehr aufmerkſam hinter die Cou⸗ liſſe, wo ſich die Tänzerin vorſichtig näherte.

Dieſe bemerkte beim Näherkommen den Zimmermann recht wohl, that aber nicht dergleichen, ſondern wandelte über die Bühne, ſcheinbar in der einzigen Abſicht, um auf die andere Seite zu gelangen.