20 Zweites Kapitel.
ſieur Fritz, der Theaterfriſeur, der ſich von außen erkundigt, ob er eintreten dürfe. Alsbald ſetzen ſich die Damen des erſten Zimmers durch umgeworfene Mantillen oder Tücher, ſowie durch Tanzröcke, die proviſoriſchüber den Schooß gelegt werden, in gehörige Verfaſſung, um deu eintretenden jungen unglücklichen Mann gehörig empfangen zu können; was übrigens nicht ohne einiges Gekreiſch abgeht. Wir ſagen: unglücklichen jungen Mann, und zwar aus doppelten Gründen, denn einmal iſt es keine Kleinigkeit, vierundzwanzig junge Mädchen zur Zufriedenheit zu friſiren, und anderentheils hat Mon⸗
ſieur Fritz den Verſuch gemacht, gegen die eine oder die andere der
hübſchen Tänzerinnen gelegentlich zu avanciren, was ihm nun bei jeder Veranlaſſung aufs Schonungsloſeſte vorgehalten wird.
Der Theaterfriſeur und Schneider werden ſeltſamer Weiſe von den Tänzerinnen meiſtens für Weſen gehalten, welche der Liebe unfähig ſind, für geſchlechtsloſe Geſchöpfe; und es iſt eigentlich ſehr gut, daß dieſe Anſicht beſteht, denn ſonſt wäre des Zierens und Genirens kein Ende.
Monſieur Fritz iſt alſo eingetreten; die Thüre zum zweiten Zimmer wird geſchloſſen, weil man dort noch nicht ſo weit ange⸗ zogen iſt, und das Friſiren nimmt unter Scherzen und Lachen ſei⸗ nen Anfang.
Aber man muß nicht glauben, daß Alle in dieſen luſtigen Ton mit einſtimmen, daß es Allen gleichgültig iſt, wenn die um⸗ geworfene Mantille zufällig von den Schultern herabrutſcht, wenn der Friſeur das Haar lockt oder ein Diadem aufſetzt. Nein, dieſe Stunde des Anziehens und ſpäter des Heraustretens vor die Lam⸗ pen, vor das verſammelte Publikum, ſind für manche dieſer armen Mädchen Stunden der bitterſten Qual, ja tiefen Herzeleids. Man wird ſagen: warum brauchen ſie Tänzerinnen zu bleiben? Sie ſind es ja aus freiem Willen geworden.— Doch iſt dieſe Anſicht eine vollkommen falſche; ihr Wille wurde und wird nicht gefragt. Da iſt eine Mutter in dürftigen Verhältniſſen, die hat zwei kleine


