Schuldig!
Zweiter Auftritt. Müller allein.
(Spricht im Schlaf.)
Nein!— nein! nein!— ſchreckliche Geſchichten!— Ich halte mich nicht!— Oh!— oh!— oh!— Wir fallen!— wir fallen — Oh! oh!— Hülfe!— Hülfe!(Er erwacht und ſchaut erſchrocken um ſich.) Ja, wo bin ich denn? Nicht in meinem Bette? Habe ich mich denn geſtern Abend nicht hineingelegt?— Es muß nicht ſein, denn ſonſt läge ich noch darin. Ah! ich merke, ich bin wieder einmal auf dem Stuhl eingeſchlafen; es iſt das eine verfluchte Gewohn⸗ heit. SSieht auf ſeine uhr) Halb fünf Uhr— und um elf Uhr bin ich nach Haus gekommen. Schlecht habe ich eigentlich nicht geſchla⸗ fen, aber einen böſen Traum hab'’ ich gehabt, einen ganz merk⸗ würdigen Traum.— Wie man nur ſo etwas träumen kann!— Und ſo lebhaft! Habe alles das vor mir geſehen, und der Traum war eigentlich auch nicht ſo übel.— Ah pfui! Mathias! es war doch garſtig, es war ein ganz unmoraliſcher Traum. Ecr beſieht ſich in einem Handſpiegel.) Etwas verſchlafen ſehe ich aus, und habe meinen Sonntagsrock noch an.— Wo waren wir geſtern Abend?— Richtig!— ha! ha! Das Doppelbier iſt auch wohl Schuld— 's war eigentlich eine Verſchwendung: fünf Kreuzer für den Schoppen; will jetzt aber den ganzen Sommer keines mehr trinken. (Legt die Hand auf das Herz. Mathias, ich verſprech' es dir— abgemacht! (Er macht ein paar Schritte nach der Nebenthüre, bleibt aber nachdenkend ſtehen.) Ja, ja— dieſer Traum, er will mich gar nicht verlaſſen, und das Mädchen, was darin vorkam, das ich, mir ſchaudert die Haut— entführt hatte— es ſteht noch wie leibhaftig vor mir!— Wenn das Madame Bendel erführe, ſie hätte keine Achtung mehr vor mir.— Um die ganze Geſchichte mit einem Male hinter mir zu haben, will ich zu meinen täglichen Morgenzerſtreuungen greifen—


