Teil eines Werkes 
15. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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12 Der geheime Agent.

man ſie mir unmöglich länger vorenthalten konnte, aber man wie⸗ derholte häufig dabei, wie ungern mein Volk geſehen, daß die Per⸗ ſon des Regierenden gewechſelt werde, ja ſetzte hinzu, daß dies Volk es nicht ertragen würde, auch das Syſtem, unter welchem es ſo lange glücklich und friedlich gelebt, im Geringſten verändert zu ſehen. Und da das Syſtem vollkommen geblieben iſt, ſo habe ich nicht viel mehr, als den Namen des Regierenden; ſehe aber aus den vielen Klagen, die an mich kommen, da man ſie mir nicht vor⸗ enthalten kann, wie ſehr man vergeblich auf mich gehofft, wie ſehr man gewünſcht, daß ich Mißbräuche abſtelle, welche ſich unter einer Regierung von Miniſtern eingeſchlichen, die, geführt von der Hand einer herrſchſüchtigen, aber ſehr frommen Frau, ihr einziges Heil darin ſehen, daß Alles und auch ſie unverrückt beim guten Alten und bei ihrem hergebrachten ſteifen Weſen verbleibe. Ich aber liebe das gute Neue, liebe fröhliche Geſichter um mich, und möchte es dahin bringen, daß, wenn ich mit der einen Hand ſtrenge noth⸗ wendige Befehle erlaſſe, ich zu gleicher Zeit die andere Hand zur Freude, zum Wohlthun öffnen könnte. Es iſt mir nicht genug, daß man mir gehorcht, man ſoll mir auch gern und freudig gehorchen; aber davon bin ich leider noch ſehr weit entfernt.

Vierter Auftritt. Herzog. Herzogin. Prinzeſſin.

Herzogin Gum Kammerherrn, der ihr die Thür öffnet).

Sind die Miniſter in meinem Kabinet? Gum Herzog Guten Morgen, lieber Sohn! Ich habe einen Morgenſpaziergang ge⸗ macht und mich, wie immer, emſig mit dir beſchäftigt. Ich wünſchte dich nachher einen Augenblick zu ſprechen.