der Zwerge. 243
Stück Kreide, und machte durch den Namen ſeines Neffen an der Wand einen vielſagenden Strich. Er kündigte ihm darauf an, daß er morgen früh ſein Haus zu verlaſſen habe, und da Meiſter Caspar fürchtete, daß er gegen Philipps Bitten und Roſa's Thränen doch wieder nachgeben würde, ſo that er einen kräftigen Schwur darauf, ihn nicht eher wieder in ſein Haus und ſeine Werkſtätte aufzunehmen, bis er ſich gebeſſert und ihm zum Zeichen dafür wenigſteus ſechs wohl erworbene Goldgulden auf den Tiſch legen könne, eine für die damalige Zeit ſehr große Summe.
Die Geſellen und Lehrburſchen, die umher ſtanden, erblaßten bei dieſem feierlichen Act und nur Philipp, als er hierdurch ſah, daß er unvermeidlich fort müſſe, war der Gefaßteſte, packte ſein Felleiſen zuſammen, band Scheere und Bügeleiſen oben hinauf und trat noch an demſelben Nachmittage vor den Meiſter Caspar und Roſa hin, um ſich bei ihnen zu verabſchieden.
Ach, hätte er lieber ſein Mühmchen nicht wieder geſehen und wäre ſtillſchweigend fortgegangen! Doch als er jetzt Abſchied nehmend vor ihr ſtand, ſah er wohl, wie ſchön ihr blaues Auge war, wie ſchlank und lieblich ihre ganze Geſtalt, und fühlte wohl in ſeinem Herzen, warum das ihrige ſo ſchlug, als ſie ihm zum letzten Male die Hand reichte. Sie hielt in ihrer Hand ein kleines Beutelchen mit Scheidemünze, das ſie dem Vetter einhändigen wollte. Sie hatte es ihm ſchon in die Hand gedrückt, als zwei Thränen ihren Augen entrollten und dem armen Burſchen auf das Herz fielen, ſo daß er auf einmal ſeinen Leichtſinn und die Größe ſeiner Schuld einſah, und eilig aus dem Hauſe lief, um ſeine Thränen zu ver⸗ bergen.
In der damaligen Zeit war es für einen Handwerksburſchen weit ſchwerer, ein Unterkommen und Arbeit zu finden, als jetzt. Das wußte auch Philipp wohl, und da er nebenbei jetzt die Größe ſeiner Fehler recht einſah, ſo hatte er gar nicht den Muth, ſich auf die Straße nach irgend einer großen Stadt zu machen, ſondern ſtieg träumend und nachdenkend hinter ſeiner Vaterſtadt Aachen die Höhen hinan. Hier verirrte er ſich bald zwiſchen den Felſen und Kaſtanienwäldern des Berges, den man heutzutage den Louis⸗ nnd


