Weihnachtsmärchen. 231
der Kleine eine ſo unartige Antwort gab, war Guſtav in ſeiner Gutmüthigkeit doch bereit, ihm zu helfen, und hob zu dieſem Zweck einen großen Keil von der Erde, mit dem der Zwerg wahrſcheinlich verſucht hatte, den Baum zu ſpalten.
Kaum hatte der Jäger den Keil vom Boden aufgehoben, ſo ſchrie ihn der Zwerg ſchon wieder zornig an und ſagte:„Willſt du nicht etwas ſchneller machen, du fauler dummer Kerl! Ihr Menſchenvolk ſeid doch zu gar nichts zu gebrauchen. Mach fort, oder ich will dir helfen!“ Bei dieſen letzten Worten hob der Zwerg eines ſeiner kleinen Beine auf und trat damit in höchſter Wuth nach dem Jäger. Dieſer, dem die erſte unartige Antwort des Zwer⸗ ges lächerlich vorgekommen war, erzürnte ſich jetzt über die Frech⸗ heit des kleinen Dings und ſagte ihm:„Höre, kleiner Wicht, wenn es auch bei euch Mode iſt, Gefälligkeiten in ſolchen Worten zu verlangen, ſo iſt dagegen dies Verfahren bei uns nicht anwendbar, und wenn du nicht augenblicklich höflicher und artiger wirſt, ſo hätte ich große Luſt, dich ſtecken zu laſſen.“
Jetzt gerieth der Zwerg in eine unbeſchreibliche Wuth, ſeine Augen funkelten ihm ordentlich im Kopfe, und er ſtieß über den Jäger und über die Menſchen die erſchrecklichſten Verwünſchungen aus, und am Ende nahm er ſogar ſeine Axrt und warf ſie mit ſolcher Kraft nach dem Kopfe des jungen Mannes, daß, wenn dieſer nicht ausgewichen wäre, ſie ihm ſicher den Kopf zerſchmettert hätte. So aber fuhr ſie in einen dicken Eichbaum tief hinein, daß der Schaft der Axt noch eine Zeitlang zitterte.
Ah, dachte der Jäger, kommſt du mir ſo, ſo begegne ich dir nicht anders, und darauf zog er ſeinen langen, breiten Hirſchfänger heraus, auf deſſen Klinge er, wie jeder fromme Waidmann, ein großes Kreuz eingegraben hatte, und begann einen gewiſſen un⸗ ausſprechlichen Theil des Zwerges aus Leibeskräften zu bear⸗ beiten.
Anfänglich ſchien bei dieſer eindringlichen Behandlungsweiſe


