Eine ſeltſame Abendunterhaltung. 249
fällig erfahren, ſo bin ich zurückgekommen, um darüber mit Ihnen ein wenig abzurechnen.“
„Mit mir?“
„Mit Ihnen, der unermeßliches Weh über unſer Haus gebracht, und der noch tauſendfache Schande hinzugefügt hätte, wenn nicht der gute Gott ein Einſehen gehabt und Alles zum Beſten gelenkt.“
„Du haſt deine Schweſter entführt!⸗
„So that ich. Wußte ich, daß es meine Schweſter war?— Wer hat es mir verheimlicht ſeit langen Jahren?— Wer hat den Unfrieden in unſer Haus geſät?— Wer hat Mutter und Kinder von einander geriſſen, daß ſie theils in immerwährendem Hader lebten, theils ſich gar nicht kannten, und daß dieſes Unerhörte ge⸗ ſchehen mußte, was hier geſchehen?“
„Die eigene Schweſter!— Und du ſelbſt kommſt hierher, um mir dieſes Entſetzliche zu ſagen, mir die fürchterlichen Vorwürfe zu machen? Du ſelbſt biſt Schuld, nicht ich!“
„Ich bin gekommen, um Ihnen gerechte Vorwürfe zu machen,“ entgegnete Eugen,„um wahr und offen mit Ihnen zu ſprechen, wie Sie es mit mir nie gethan.— Sie glauben, ich habe meine Schweſter entführt, ich habe ſie alſo unnatürlicher Weiſe geliebt? Es wäre das leicht möglich geweſen. Sie thaten nichts, am der⸗ gleichen zu verhindern.“
„Es iſt geſchehen!“ rief der Juſtizrath ſchmerzlich und ver⸗ barg das Geſicht abermals in ſeine beiden Hände.„Gott ſteh' mir bei!“ 3
„Gott— ſtand Ihnen bei,“ ſagte Jener nach einer Pauſe mit weicherer Stimme.—„Und er ſei geprieſen dafür, daß ſo Schreckliches— nicht geſchehen.“
„Nicht geſchehen?“ rief der Juſtizrath emporſpringend.„Nicht geſchehen? Sie entführten Ihre Schweſter nicht?“
„Ich habe ſie entführt, allerdings,“ antwortete der junge Mann.„Aber ich that es, weil ich wußte, daß ſie meine Schwe⸗


