262— Zierzigſtes Kapitel.
ſich zum Kindererzieber heranzubilden, was dagegen die Meiſterin
für die Hauptbeſchäftigung eines Lehrjungen anſah. Herr Hannibal half dem herbeigerufenen Zimmermann ſogar
Verbindungsgange zwiſchen Theater und Heuboden, was ihm ein ſpezielles Lob des Direktors eintrug, der ihm auf die Schultern klopfte und ihm erklärte, er glaube beſtimmt, daß Han⸗ nibal noch ein tüchtiges Mitglied der Geſellſchaft werden würde. Das weibliche Perſonal, aus den beiden Damen der direktor⸗ lichen Familien beſtehend, ſowie aus einer kleinen dicken Soubrette, Mademoiſelle Jette, welche in ihren Freiſtunden Kindererzieherin bei der Prinzipalin war, hatte bei der oben erwähnten Einrichtung des Theaters nur inſofern Dienſte geleiſtet, als es die Garderobe⸗ ſtücke auf den Heuboden ſchaffte, die Stühle gerade rückte und die⸗ ſelben nachzählte, worauf ſich die Prinzipalin einen Ueberſchlag machte, welche Summe bei dem vollen Hauſe eingenommen werden könne. Nur die Schwägerin des Direktors hatte ſich bei den Ar⸗ beiten im Saale ſelbſt aufgehalten und allerlei kleine Handleiſtungen gethan, zuerſt an der Seite Eugen’s, dann, als dieſer ſich durchaus nicht dankbar dafür erwies, bei dem Herrn Sidel, und ſpäter, als der herzloſe Schulmeiſter ſich ebenfalls für dieſe Herablaſſung durch⸗ aus nicht gerührt und erkenntlich zeigte, bei dem Herrn Hannibal, der, obgleich anfänglich beſtürzt und überraſcht von der Freundlich⸗ keit der großen Künſtlerin, ſich doch im Laufe der Arbeit ſehr ge⸗ ſchmeichelt und hoch geehrt durch die Aufmerkſamkeit fühlte und, als dies Seitens der Dame ſehr günſtig aufgenommen zu werden ſchien, nun keinen Nagel mehr einſchlug und kein Brett mehr ver⸗ rückte, ohne ſich zuvor in den grauen Augen ſeiner Zuſchauerin Raths erholt zu haben. Endlich war Alles beendigt, und die ganze Geſellſchaft ließ ſich auf den Stühlen vor der Bühne nieder, um das vollbrachte Werk im Allgemeinen überſehen zu können. Eugen und der luſtige Rath ſaßen ziemlich vorn an, bei ihnen der Direktor und Familie, mit Ausnahme der hellblonden dürren Schwägerin, welche ſich mit Herrn Hannibal auf den zweiten Platz begeben hatte, nur um zu ſehen, wie ſich von dort aus die Bühne ausnehmen werde.


