Teil eines Werkes 
11. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Errichtung eines ländlichen Theaters. 261

Arbeit die größtmöglichen Anſtrengungen zu machen ſchien, die für dieſen großen Künſtler um ſo mühſamer war, als er zu gleicher Zeit unſere Freunde noch unterweiſen mußte, ſo glauben wir doch verſichern zu können, daß er ſich durchaus nicht überarbeitete. Wenn er z. B. mit einem wahren Ingrimm auf ein großes Faß oder ſchweres Brett losſtürzte und beim Anprallen fand, daß dieſe Gegenſtände nicht geneigt ſeien, ſich ſo leicht bewegen zu laſſen, ſo beſtand er durchaus nicht hartuäckig darauf, dies doch zu thun, ſondern er ſchwang ſich leichtfüßig über den fraglichen ſchweren Gegenſtand hinweg, um ſeine Kraft an einem leichteren zu üben. Der Prinzipal ſelbſt ſowie deſſen Bruder arbeiteten ausdauernd und hielten ſich ruhig an dem, was ſie einmal ergriffen. Holder dagegen ſuchte ſich die ſchwerſten Stücke aus, und wenn auch eines ſeiner Kraft widerſtehen wollte, ſo ſah man, wie ein düſterer Schat⸗ ten über ſein Geſicht flog und ſich ſeine Muskeln aufs Gewaltigſte anſtrengten, bis das, was er vor hatte, geſchehen war. Oſt ſah man ihn bei einer ſolchen Veranlaſſung drei, vier Mal mit einer wahren Wuth aufs Neue angreifen; oft ließ er dabei ermattet die Arme ſinken, um immer wieder aufs Neue anzufangen, und dabei ſchaute er mit wildem, eiferſüchtigem Blick um ſich herum, ob ſich Jemand vielleicht unterſtehe, in ſeine Nähe zu kommen oder ihm gar helfen zu wollen. 4

Die Arbeiten der Herren Wellen und Müller bei dieſem Ge⸗ ſchäfte waren eigentlich nicht der Rede werth; ſie beſchränkten ſich mehr auf Handlangerdienſte, auf das Darreichen einzelner Stücke, auf das Aufwickeln und Ordnen durcheinander gerathener Schnüre. Der Thätigkeit des Herrn Hannibal dagegen müſſen wir volles Recht widerfahren laſſen; denn wenn wir das auch dem Schauſpieldirektor nicht verrathen dürfen, ſo darf doch der Leſer es wiſſen, daß näm⸗ lich der getreue Pierrot ſeine Laufbahn als Menſch und Staats⸗ bürger in einer Schreinerwerkſtätte begonnen hatte, aber nicht lange da verblieben war, weil ſeine Anſichten vom Arbeiten im Allgemeinen mit denen ſeines Meiſters nicht in Einklang zu bringen waren, namentlich aber, weil er durchaus keine Neigung in ſich verſpürte,

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