Teil eines Werkes 
11. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Bedeutendes Herzklopfen des Herrn Sidel. 249 3 3

Verſteht ſich, verſetzte Eugen, und während er unter die Küchenthüre trat, lud er Herrn Trommler freundlichſt ein, mit auf die Terraſſe hinaus zu kommen und ihnen das Baigwügen zu ma⸗ chen, dort mit ihnen zu frühſtücken.*

Meinetwegen! ſagte der Künſtler nach einem augenblicklichen Nachdenken;ich hatte freilich ſchon meinen Kaffee auf das Zim⸗ mer beſtellt; aber im Freien genießt ſich ſo etwas außerordentlich delicibs. Und dann die Geſellſchaft, hel Lords! Ich möchte um Alles in der Welt von Ihnen nicht für unhöflich gehalten werden.

So kommen Sie denn, erwiderte Herr Sidel; worauf der wackere Künſtler ſeinen Löffel niederlegte und die Drei mit ein⸗ ander vor das Haus gingen.

Dort auf der Terraſſe hatte Marie Alles aufs Freundlichſte hergerichtet, und das Lieblichſte in ihrem ganzen Arrangement war ſie ſelbſt, wie ſie ſo freundlich lächelnd daneben ſtand, nur um zu ſehen, ob ſie auch nichts vergeſſen.

Herr Sidel behauptete ſpäter, er habe bei dieſem Anblicke zum erſten Mal einen Stich in ſein ſchulmeiſterliches Herz gefühlt, und habe zum erſten Mal die volle Schönheit des jungen Mädchens empfunden. Auch Eugen blieb einen Augenblick befremdet und nachdenklich vor der liebreichen Erſcheinung ſtehen, vor dem jun⸗ gen, ſchönen Mädchen, das ſie mit den großen, glänzenden Augen ſo freundlich anſah. Ja, ſie hatte etwas von Katharina; es war eine Aehnlichkeit zwiſchen den beiden Mädchen; nur war das Ge⸗ ſicht Katharinens edler, untadelhaft in ſeiner Schönheit, die Figur voll, ja majeſtätiſch eine ſtolze, vollblühende Roſe, wogegen die Geſtalt Mariens in ihrer Leichtigkeit und Biegſamkeit, in ihrer ewigen Heiterkeit und guten Laune mit einem neckiſchen Schmetter⸗ ling zu vergleichen war.

Eugen reichte ihr die Hand zum Gruß dar, worauf ſie mit der ihrigen laut lachend und derb einſchlug und alsdann in großen Sprüngen über die Terraſſe hinab ins Haus eilte.

Lächelnd ſchaute ihr Eugen einen Augenblick nach und ver⸗ deckte dann die Augen mit der Hand, um mit dem Dunkel, das