Teil eines Werkes 
11. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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Einundzwanzigſtes Kapitel.

Jungfer Clementine Strebeling erhält einen Brief und findet ſich in Folge deſſelben bewogen, die Liebe ihrer Freundin zu unterſtützen.

Der Jungfer Clementine Strebeling war unterdeſſen etwas ab⸗ ſonderlich Entſetzliches paſſirt entſetzlich in Betreff ihrer Lebens⸗ anſichten und ihres äußerſt zarten Nervenſyſtems. Der geneigte Leſer wird ſich erinnern, daß er beſagte Jungfer Clementine durch unſere Beihülfe an ihrem Fenſter erblickt hat, wo ſie aus dem muſikaliſchen Hauſe ihr gegenüber das ſehnſüchtige Lied vernom⸗ men hatte von der Lotusblume, die ſich ängſtiget vor der Sonne Pracht. Hierauf war Jungfer Clementine in eine Verwirrung ge⸗ rathen, ja ſanft erröthet; und wenn eine alte Jungfer erröthet und in Verwirrung geräth, ſo muß eine wichtige Urſache vorhan⸗ den ſein.

Dem war auch ſo, und dieſe Urſache war, wie wir bereits wiſſen, nichts Anderes, als die Erſcheinung eines jungen Mannes am gegenüberliegenden, offenſtehenden Fenſter des muſikaliſchen Hauſes.

Jungfer Clementine Strebeling wußte gar nicht, wie ihr ge⸗

4 ſchehen. Sie konnte, wie in der Oper, von ſich ſelbſt ſagen: * 1

Sein Blick, mir zugewendet, War Blitz und Schlag zugleich.