280 Zwanzigſtes Kapitel.
an den Abhängen hinunter und hinauf, daß es eine Freude war. Bald erreichte ich einen Feldweg, der mir für meine Direktion paſſend erſchien, und nun gingss ſchon ſchneller vorwärts. Bald
war ich mitten auf dem erkalteten Schlachtfelde; ich befand mich⸗
in entſetzlicher, grauenhafter Umgebung. Es iſt eigenthümlich, daß man das während der Schlacht ſo faſt gar nicht fühlt, daß die Stunden des heißeſten Kampfes ſo gar nichts Erſchütterndes, nichts Entmuthigendes für den Soldaten haben. Der Arillleriſt folgt dem Geſchütz mit Luſt und Liebe, er nimmt ruhig ſein Ziel,⸗ und ſeine Belohnung iſt, wenn die Kugel in die dichteſten Haufen der Feinde einſchlägt und dort Tod und Verwüſtung bringt. Der Reiter ſcheint Eins zu ſein mit ſeinem Pferde— ein tiefer Athem⸗ zug ſchwellt die Bruſt beim Signal zum Angriff; alle Leidenſchaften ſind erwacht, während er den feindlichen Kavalleriemaſſen entgegen⸗ ſtürmt. Falle, wen es trifft.— Ueber Pferde, über die Leiche des Nebenmannes geht er weg, er kann ſich nicht nach ihm um⸗ ſchauen, er kann ihn nur rächen. Die Geſchütze krachen, hie und da ſchallt Trommelwirbel, die Fußnen flattern— es gilt eine Verſchanzung zu nehmen, eine Höhe zu ſtürmen; mit lautem Hur⸗ rah ſtürzen die Colonnen darauf los. Wenn auch ganze Reihen von den feindlichen Kartätſchen niedergeriſſen werden— die Nach⸗ folgenden ſchließen ihre Glieder wieder und behalten feſt im Auge den Punkt da oben, wo es aufblitzt, wo ſich die weiße Rauchwolke emporthürmt— die feindliche Stellung.
„Sind ſie aber erobert, die mörderiſchen Geſchütze, iſt ihr metallener Mund verſtummt, ſind alle Poſitionen genommen, zeigen lange Staubwolken dort drüben und dazwiſchen hervorblitzende Gewehrläufe und Helme den geſchlagenen Feind, wie er ſich eilig zurückzieht; dann blickt der Soldat rückwärts auf die Strecke, die er heute im heißen Kampfe zurückgelegt, und ſucht mit den Augen die Stelle, wo unter Haufen anderer Gefallener ſein Freund, ſein Bruder ausgeſtreckt liegen könne. Aber jetzt iſt noch keine Zeit


