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Unſtreitig befand man ſich an der Schwelle eines großen Kirchenfeſtes, denn der alte Münſter hatte ſein glänzendſtes Feierkleid angezogen. Die Strahlenkronen der Heiligen waren geſcheuert, die Kopfſcheine aufgefriſcht, die Goldverzierungen geputzt, die Engel gewaſchen, die hei⸗ ligen Gefäße gereinigt und die hohen Leuchter mit friſchen Wachskerzen beſteckt worden; ſelbſt der Klingelbeutel, d. h. der Mann, welcher den Klingelbeutel zur Einſamm⸗ lung frommer Gaben trug, hatte den rötheſten ſeiner feuerfarbenen Röcke angelegt.
Man ſah jeden Augenblick einige rothbäckige Buben, die in ziegelrothen Talaren ſteckten, über welche weite Chorhemde herabflatterten, mit ihrer plumpen Beſchu⸗ hung durch das Kirchenſchiff laufen; ſie blieben oft ſtehen, zankten laut mit einander, ſchrieen und warfen ſich die Rauchfäſſer gegenſeitig an die Köpfe; dann eilte ein oder der andre Novize mit leichtem Tritt quer durch den Dom, ließ ſich Angeſichts des Hochaltars auf ein Knie nieder, bekreuzte ſich und huſchte vorüber; zuweilen trippelte ein uralter Domherr mit wankenden Füßen durch die Kirche gegen die Sacriſtei, wo er ſeinem Unmuth über die Ver⸗ ſpätung der Feierlichkeit mit ſo rauher Stimme und in ſo derben Ausdrücken Luft machte, daß für das fromme und ſchauluſtige Publicum in der Kirche kein Wort verlo⸗ ren ging.
Nachdem die jugendlichen Miniſtranten mit ihren


