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Charlotte Ackermann : ein Hamburger Theater-Roman aus dem vorigen Jahrhundert / von Otto Müller
Entstehung
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von ihrem Haupte, die in Ringe gefaßt oder geflochten, ihr zum Andenken getragen wurden. Der Anblick der jugendlichen, ganz in Weiß gekleideten und mit dem wohlverdienten Lorbeer geſchmückten Leiche rührte ſelbſt das kälteſte Herz zu Thränen; wer ſie ſo da liegen ſah, wußte, daß ſie reinen Herzens geſtorben ſei; denn im Tode ſelbſt noch Künſtlerin, glich ſie im Sarge einer anmuthvollen Emilia Ga⸗ lotti, einer liebreizenden Marie Beaumarchais.

Faſt an Schwärmerei grenzend äußerte ſich die Trauer um die Verſtorbene am Tage ihrer Beerdigung; vom Opernhof aus, wohin man Nachts zuvor die Leiche geſchafft hatte, ward ſie Sonntag, den 14. Mai, Abends gegen ſieben Uhr, in einem mit Blumen und Myr⸗ thenkränzen gezierten Todtenwagen nach der St. Petri⸗Kirche gefahren; der Gänſemarkt und Jungfernſtieg, ſowie die Kirche und der Kirchhof

war mit Tauſenden von theilnehmenden, meiſt in Trauer gekleideten

Menſchen bedeckt; am Eingang zur Kirche empfingen die nächſten Freunde und Kunſtgenoſſen, ſowie einige der angeſehenſten Rathsmit⸗ glieder, den Sarg und trugen ihn auf einer Bahre nach der Gruft. Brockmann ſprach die Trauerrede; den Sarg zierte folgende einfache Grabſchrift:

Iſt das Leben nicht ein Traum Flüchtiger Gefühle?

Ausgelaufen war ich kaum, Und bin ſchon am Ziele.

Die ihr meinem Staub euch naht, Wer's doch fühlen lernte!

Hoffnungsvoll verwest die Saat Auf den Tag der Ernte.

*½

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