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Charlotte Ackermann : ein Hamburger Theater-Roman aus dem vorigen Jahrhundert / von Otto Müller
Entstehung
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wie ſeither, vollkommen ſicher und unbefangen bei uns fühlen. Dennoch aber halte ich es nun an der Zeit, daß wir der Gräfin einen Wink zugehen laſſen, hierher zu kommen. Du weißt, wie Ulrike vor Be⸗ gierde brennt, das holde Weſen für immer von dieſem unheilvollen Menſchen zu befreien, der ihr ſelber ihr beſtes Lebensglück Ktort

¹ hat, und es entſpricht ganz ihrer edlen Denkart, durch Lotte⸗ t tung dem Himmel für ihre eigne Rettung von dieſem Menſchen danken. 8

Ich habe Alles zum Empfang der Gräfin eingerichtet, ſagte

Frau von Schimmelmann; und ebenſo halte ich unſre junge Schwär⸗ merin für hinreichend vorbereitet, um die letzten Entdeckungen über Sylburg mit Standhaftigkeit zu ertragen und ſich daran zu einem neuen Daſein emporzurichten. Auch wird der Gräfin Gegenwart jenen Elenden, der ſich ſo verwegen in unſre Nähe drängt und ſicher nichts Gutes im Schilde führt, mehr als alle Hüter, vor weiteren Nachſtellungen abhalten. 13

Es müßte mich Alles trügen, ſagte nach einer Pauſe der Frei⸗⸗ 1 herr kopfſchüttelnd, oder er hat bereits von meinen und des Herzogs Schritten beim König Kunde erhalten und will uns durch einen Handſtreich zuvorkommen. Dieſem abenteuerlichen Geſellen iſt Alles zuzutrauen!— Hüte darum das Mädchen wie dein eignes Kind, liebe Caroline, bis die Nemeſis den Verräther erreicht hat. Ich ſende ſo⸗ gleich der Gräfin einen reitenden Boten und bitte ſie, der rettende Engel dieſer jungen Seele zu werden.—

Eine halbe Stunde ſpäter trat der Freiherr heiter und aufge⸗ räumt wie ſonſt, zu den Damen, die ſchon beim Thee ſaßen, und ließ ſich neben ſeiner Gemahtin zum gemüthlichen Plauderſtündchen auf dem Sopha nieder. Erſt neckte er Irmengard wegen ihrer neuen Friſur, und fragte dann Charlotten ſchalkhaft, wem zu Ehren ſie ſich heute den Strauß junger Roſen vorgeſteckt habe? Dabei klopfte er ihr freundlich auf die Wange und ſagte mit geheimnißvollem Lächeln:

Ja, ja, ihr Frauen habt doch einen merkwürdigen Inſtinkt, wenn ein intereſſanter Mann in der Nähe iſt. Gleich merkt man das an der größeren Sorgfalt, womit ihr euch herausputzt, ehe ihr doch ſelber wißt, wer er iſt und ob er euch gefallen wird?.

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