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Charlotte Ackermann : ein Hamburger Theater-Roman aus dem vorigen Jahrhundert / von Otto Müller
Entstehung
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ſeines Hauskamiſols von weißem Piqué vergraben, ungeduldig über dieſe ungewohnte Leere in der Stube auf und ab und philoſophirte wahrſcheinlich mit vielem Tiefſinn über das Nutzloſe und Unchriſtliche der Komödie oder über den Gegenſatz zwiſchen vollbeſetzten Schau⸗ ſpielhäuſern und leeren Weinſchenken. In dieſer melancholiſchen Be⸗ trachtung ward er durch den Eintritt Eckhof's unterbrochen, der gegen ſeine Gewohnheit heute der Erſte auf dem Platze war, während alle übrigen Schauſpieler und Theaterfreunde noch in der Vorſtellung verweilten.

Bei der Erſcheinung des berühmten Mimen erheiterte ſich das weinrothe Geſicht des Herrn Klefeker, denn ſehr richtig urtheilte er, daß, wenn ſchon der um ſeiner großen Mäßigkeit willen bekannte Eckhof heute nicht ausbleibe, die übrigen Theatermitglieder um ſo gewiſſer ſich einſtellen würden. 9

Sehr ſchön von Ihnen, Herr Eckhof, daß Sie ſo pünktlich ſind, redete er ſeinen Gaſt ſchmunzelnd an, der ſeine hochſchultrige Geſtalt hinter die Tafel pflanzte und ohne den Hut abzunehmen, den Ellen⸗ bogen nachläſſig auf den Tiſch ſtützte. Er ſchien ſehr zerſtreut und achtete kaum auf des Wirthes Antede, der ſich aber dadurch nicht abhalten ließ, in ſeiner redſeligen Weiſe fortzufahren.

Die Komödie wird wohl bald zu Ende ſein und dann heißt es

gewiß wieder von allen Seiten: das Stück war recht hübſch, doch

ohne Herrn Eckhof geht's nun einmal nicht. Was aber auch nur Herr Schröder mit ſeinen heidniſchen und blutdürſtigen Trauerſpielen will! Und alle Woche ein neues Stück, eins vielgeprieſener wie das andere, ſo daß das Publikum gar nicht mehr aus der Neugierde und Athem⸗ loſigkeit herauskommt. Sonſt, d. h. als auch ich noch Paſſion für die Schaubühne hatte, was freilich ſchon ein geraumes Weilchen her iſt, war die Auswahl zwar kleiner, aber man begnügte ſich doch und war zufrieden mit dem Wenigen. Wer in's Theater ging, der wollte vor Allem amuſirt ſein, ſich einmal tüchtig ausſchütten bei Harlekins artigen Späßen und ſein Hauskreuz darüber vergeſſen. Heutzutage aber— ſo äandern ſich die Zeiten!— geht man in die Komoͤdie, um ſich dick und ſatt zu weinen und vor lauter Lamento Ohnmachten zu kriegen, als wenn man nicht des Elends und der Traurigkeit ſchon

genug im Leben auszuſtehen hätte! Ach, ich vergeſſe es Zeit meines

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