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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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war von mir gebeten worden, die Sache möglichſt kurz ab⸗ zumachen, da ein Menſch, der zum drittenmal kopulirt wird, wie Du Dir denken kannſt, die Litanei ſatt kriegt. Ich weiß nicht, wie's geſchah, daß ich während der Trauung zu keiner rechten Andacht kommen konnte; ich mußte immer an meine erſte Kopulation denken und wenn ich nicht jeden Augenblick Eliſen angeſehen hätte, ich glaube, ich wäre noch einmal mit Dora getraut worden. Der Pfarrer mochte ſagen, was er wollte, ich hörte beſtändig nur den alten Geiſtlichen von Niedeck, der meine erſte Ehe eingeſegnet hatte, und zuletzt ſtand er gar leibhaftig vor mir, und auf dem Altar denke Dir auf dem Altar flimmerten mit einmal zwei blaue Flämmchen, dunkelblau, und hin⸗ ter dem Altare Junghof, es war eine Viſion, aber ſie war ſchrecklich hinter dem Altare wird's plötzlich hell ach! ſo hell, daß mich's blendet, und ich ſehe meine Molly weißgekleidet ganz ſo, wie damals, die Hände krampf⸗ haft auf dem Buſen zuſammengepreßt, mit wallenden, glän⸗ zenden Locken und vergeiſterten Mienen. Ich mag aller⸗ dings in dieſem Moment ſehr zerſtreut geweſen ſeyn und die Augen weit genug aufgeriſſen haben, denn der Herr v. C. ſtieß mich mehremalen am Arme, auch unter den Anweſen⸗ den gab's eine auffallende Bewegung, ein Fußſcharren, Räuſpern und Kleiderrauſchen, bis ich endlich das Ja her⸗ aus hatte, worauf die beiden blauen Flammen noch ein⸗ mal zitternd aufflackerten und mit dem holden Schreckens⸗ bild hinter dem Altare verſchwunden waren. Der Pfarrer ſprach Amen, noch eh' ich wußte, wie mir geſchehen, und Eliſe hat mich verſichert, meine Hand ſey bei der Einſeg⸗ nung kalt wie Eis geweſen. Nun, Philoſoph Anaxagoras, thu' den Mund auf, mach' ihn dann wieder zu und zucke

mit der Achſel. 28*