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Bürger : ein deutsches Dichterleben / Roman von Otto Müller
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Die Arbeit hat mir Freude gemacht, verſetzte ſie; und darum ſollt' ich nicht von der Mühe reden, die ich auf ſie verwandt, und von der Geduld, mit der ich es endlich in dieſer mir fremden Kunſt zu einiger Fertigkeitt gebracht habe. So hat mich dieſe Weſte gelehrt, daß dert Menſch Alles kann, was er liebt; und der Gedanke, daß dir mein Geſchenk Freude machen würde, ſaß mir beſtän⸗

dig, ſo zu ſagen, in den Fingern. An meinem Stickrah⸗

men hab' ich deine ganze Zukunft durchgelebt; oft ſogar vergriff ich in meinem Viſionseifer die Fäden, und merkte es erſt, als roth blau, grün gelb wurde.

So ſtelle mir denn heute mein Prognoſtikon, ſagte Bürger mit Lebhaftigkeit und ergriff ihre Hand.

Hab' ich dir's nicht ſchon viel tauſendmal geſagt? rief ſie mit Innigkeit und Wärme, während die Gluth eines ſchönen Eifers ihr Antlitz höher färbte. Und ſagen's nicht Alle, die Dich kennen und lieben? Klingt's denn ſo fabelhaft, daß ein Mann von deinem Geiſt und Herzen nicht endlich zu Ruhm und wohlverdienter Ehre gelangen ſollte? Hab' ich's doch gehört in Göttingen und Goslar, in Halberſtadt und Weimar, allüberall, wo ich in dieſem⸗ Sommer hinkam, wie die Leute von dir ſprechen, als ſey'ſt du ſchon längſt das, was du doch erſt werden willſt⸗ Alle Augenblicke hieß es da: Klopſtock, Wieland, Bürger, Leſſing, Kleiſt, und ſprach Jemand zufällig einmal von dem Göttinger Hainbund, ſo zuckte man die Achſeln und meinte, der wolle nicht viel bedeuten und der Herr Amtmann von Wölmershauſen habe wohlgethan, ſich von dieſen Schwindelköpfen bei Zeiten loszuſagen und ſeine eigne Bahn zu verfolgen,

O hätt' ich doch ihren Muth und ihre Jugend! ſeufzte Bürger trübe und ſein Blick umflorte ſich.Sie