284
gleich das Leben keinen neuen Werth fuͤr mich be⸗ kommt durch dieſen Auftritt.—
Indeß er ſeine Muͤtze wieder aufſetzte, ſeinen Mantel um Bruſt und Schultern ſchlug und nach dem Garten zuging, fuͤhlte Jacqueline wieder einen Strom zaͤrtlicher Gefuͤhle in ihrer Bruſt ſich regen. Auf dem ſchoͤnen Geſichte des Juͤnglings, welches die Daͤmmerung im mildern Lichte zeigte, druͤckte ſich die tiefſte Empfindung aus. Die Groͤße ſei— nes Charakters ſchien ſeinerſeits ohne alle Anſtren⸗ gung auf einmal ſich zu entfalten und ihrerſeits ohne bedeutenden Zweifel anerkannt zu werden; die Wirkung war unwiderſtehlich. Verwundeter Stolz, beleidigte Wuͤrde, gekraͤnkte Tugend, Alles wich dem maͤchtigen Einfluſſe unbegrenzter Liebe, und Jacque⸗ line war auf dem Punkte, dem Antriebe zu folgen, der ſie zu ihm hinzog, der doch im eigentlichſten Sinne ihr Geliebter war.— Da wurde ſie ploͤtzlich durch den Eintritt mehrerer Bewaffneter unterbrochen und erſchreckt, die aus dem Garten kamen, und ehe Vrank den Mantel zuruͤckſchlagen und nach dem Schwert greifen konnte, wurde er von einem halben Dutzend nerviger Arme gepackt und feſtgehalten.
Berlin, gedruckt bei A. Petſch.


