. Dritter Theil. 305
Der Menſch mit allen ſeinen ſonſtigen Vor⸗ zuͤgen, was waͤr' er ſich ſelbſt ohne Glauben an Fortdauer in einer andern Welt? Er fuͤhlt ſeine Erhabenheit uͤber das Thier, und dennoch erwar⸗
tet ihn daſſelbe Schickſal. Er blickt empor zu
fernern Welten, und der naͤchſte Grabeshuͤgel erinnert ihn an ſeine Vergaͤnglichkeit. Er ver⸗ ſagt ſich um der Tugend willen manchen Genuß, und wie bald wird er keines Genuſſes mehr faͤhig ſeyn! Er bauet und beſſert in Jahren, was eine Minute niederreißt. So bleibt er im Wider⸗ ſpruche mit ſich ſelbſt, und fuͤhlt ſich bey der Sehnſucht nach dem Hoͤheren und Beſſeren den⸗ noch immer wieder zur Erde herab gedruͤckt. Und ſeine Mitmenſchen, auch ſie die Kinder der Zeit und der Vergaͤnglichkeit, Weſen, die als fliehende Geſtalten voruͤber eilen, heute vielleicht mit dem waͤrmſten Herzen den Freund umarmen, und morgen entſeelt keinen Haͤndedruck mehr erwie⸗ dern koͤnnen— auch ſie werden ihm, ſo gedacht, mehr ein Gegenſtand des Mitleids als der Ach⸗ tung ſeyn.
3. Theil. 20


