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Dritter Theil. 301
Zeit Leiden nicht werth ſey der Herrlichkeit, die dort an uns offenbaret werden ſoll, wenn wir hier treu erfunden wurden?
Wirkung des Glaubens an Unſterblichkeit iſt es, daß wir nun am Grabe unſerer Lieben nicht troſtlos weinen, und auch unſerm Tode nicht mit Angſt entgegen beben duͤrfen. Zwar tadeln wir keinesweges die Thraͤnen wahrer Empfindung, am Grabe derer geweint, die im Leben uns theuer waren. Auch das Herz hat ſeine Rechte; und ſeine gelaͤuterten Gefuͤhle haben den wohl⸗ thaͤtigſten Einfluß auf unſere ſittliche Veredelung. Aber der Menſch mit der zugeſicherten Hoffnung, daß ihm jenſeits des Grabes ein beſſeres Leben erwarte, und daß er von dem ſterbenden Freunde auf Wiederſehn in ſchoͤneren Gefilden einer voll⸗ kommnern Welt ſcheide, weinet nicht troſtlos; denn er denkt bey der Ausſaat die Ernte, wan⸗ delt ruhiger unter Graͤbern, wo Saat, von Gott geſaͤct, dem Tage der Ernte reift. Kann die zaͤrtlichſte Mutter ſich uͤber eine, wenn auch noch ſo weite Entfernung von ihren Kindern leicht


