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Zweyter Theil. 319
Die Menſchen werden zufriedener werden, wenn ſie ihre Gluͤckſeligkeit mehr in ſich ſelbſt als außer ſich werden ſuchen lernen; und der groͤßte Schritt, den ſie zur Erlangung dieſer Selbſtſtaͤndigkeit und vernuͤnftigen Selbſt⸗
genuͤgſamkeit thun koͤnnen, iſt der, daß ſie ſich von
den Meinungen der Menſchen unabhaͤngiger
machen, und nicht zu ſehr nach den Seifenbla⸗
ſen des Ruhms haſchen. Ich wenigſtens, einſt ehrſuͤchtiger, und bey meiner Ehrſucht immer unzufriedener Juͤngling, bin jetzt der zufriedenſte Mann, ſeit ich das Tadelnswuͤrdige vermeide, nicht, weil es die Welt, ſondern weil ich es tadelnswuͤrdig finde; uͤbrigens bey ungerechtem Tadel anderer, wo nicht ganz gleichguͤltig, doch
ziemlich ruhig bleibe, ſo ruhig als bey ihrem
unverdienten Lobe— und ſelbſt verdientes Lob ihnen gern erlaſſe. Denn was loben, was ehren die meiſten Menſchen?
Buſch, ein Gelehrter, der gegen den An⸗ fang des ſechzehnten Jahrhunderts lebte, und
nicht unberuͤhmt war, ging einſt im Alltagskleide aus, und wurde von den Voruͤbergehenden kaum
bemerkt. Bald darauf erſchien er im Feſtkleide,


