Zweyter Theil. 311
Wir bringen uns um die meiſten Freuden durch Schwelgerey, erſchoͤpfen jede Art des Ver⸗ gnuͤgens bis auf den Grund, und klagen dann thoͤricht: daß alles eitel ſey. Allein durch kluge Oekonomie, durch weiſe Sparſamkeit im Genuß, koͤnnen wir uns auch kleinere Freuden immer neu und reitzend erhalten.—
Rouſſeaus Heloiſe trank gerne Kaffee — das hatte ſie mit vielen ihrer Schweſtern gemein. Aber ſie trank ihn aͤußerſt ſelten, um ſich dieſen Genuß im mer reitzend zu erhalten— das moͤchten ihr nur wenige nach⸗ thun koͤnnen.—
Einer meiner Univerſitaͤts⸗Freunde, welcher ſonſt den ganzen Tag in einer Wolke von Tabaks⸗ rauch eingehuͤllt ſaß, und ſich dabey oft uͤber ſich ſelbſt aͤrgerte: weil ihm, wie er ſagte, das unmaͤßige Rauchen mehr Beduͤrfniß als Ver⸗ gnuͤgen ſey; hatte endlich ſo viel Selbſtuͤber⸗ windung, ſich des Tages auf zwey Pfeifen ein⸗ zuſchraͤnken, die er am Abend rauchte. Jetzt freute er ſich auf jeden Abend; und, ſo ſauer es ihm auch am Tage geworden war— wer ihn am


