Zweyter Theil. 295
der Wuͤrdigere ſey? aber bleibt er dieß auch
dann noch, nach deiner Ueberzeugung, ſo
mußt du als ehrlicher Mann fuͤr ihn ſtimmen, und wenn auch keiner deiner Collegen ihm bey⸗ treten wollte.*)
Moͤglich waͤre es, daß du, bey aller vor:
hergegangenen ſorgfaͤltigen Pruͤfung, dich den⸗ noch in deinem Candidaten geirrt haͤtteſt; aber. du waͤreſt gerechtfertigt. Angenommen, daß dein Candidat, der durch dich das Amt erhalten haͤtte, weil du ihn fuͤr den Wuͤrdigſten hieltſt, ein Heuchler geweſen, und nun ſeinem Amte Schande machte, dem ein Andrer, welchem du entgegen arbeiteteſt, weil du ihn faͤlſchlich fuͤr
*) Eine armſelige Entſchuldigung fuͤr die Unge⸗ rechtigkeit— denn das iſt und bleibt ſie immer:— hoͤrte ich von einem Wahlherrn: Man wuͤrde ſich durch ſeine ſingulaͤre, nichts fruchtende Stimme nur laͤcherlich machen!— Waͤre es wirklich ſo weit gekommen, daß man ſich laͤcherlich macht, wenn man, ſeiner Ueberzeugung getreu, gerecht handelt?— O euern Spott, ungerechte meinei⸗ dige Menſchen, oder kopfloſe Jaherren, wuͤrde ich mir zur wahren Ehre rechnen!


