——— 52 23
endliche Ziel ihrer Sehnſucht, wie vormals, freundlich winkend entgegen. Antonio'n war es ebenfalls nicht uner⸗ wuͤnſcht, daß durch die Erſcheinung des ſtillen Kindes ſein Vermaͤhlungstag etwas in Ver⸗ geſſenheit zu kommen ſchien. Ottiliens un⸗ ſchuldiges Hingeben, die kindliche Unbefangen⸗ heit, mit welcher ſie ſeine Liebkoſungen annahm und erwiderte, verbunden mit dem Reiz der ſich eben nur entfaltenden Bluͤte ihrer Schoͤn⸗ heit, hatten ihn mehr, als er ſich ſelbſt geſtand, angezogen. Fiora ſchien ihm, mit Ottilien verglichen, kalt, und ihre Liebe erfreute ihn mehr als wohlwollende Zuneigung einer Freun⸗ din, wenn ihn bei Ottilien maͤdchenhafte Schuͤchternheit in der ſchoͤnſten Vereinigung mit gluͤhendem Verlangen entzuͤckte. Ohne uͤber ſeine Empfindungen ſich Rechenſchaft geben zu wollen, war er gegen die Braut zuvorkommend, gefaͤllig; gegen Ottilien glaubte er immer etwas verguͤten zu muͤſſen, und ſelbſt der Ge⸗ danke, daß ſie bald die Welt gegen das Kloſter vertauſche, ſchien ihn zu der zarteſten Behand⸗ lung und zu der ſorgfaͤltigſten Aufmerkſamkeit
v.


