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Sie zu verlieren, als Sie zu erobern. Wenn ich bis jetzt nur ſpielend Ihre Gunſt erwie⸗ derte, ſo lag die Schuld daran, daß ich ſie fuͤr Spiel hielt; ich war artig gegen Sie, weil ich Ihnen Artigkeit ſchuldig bin; ich ach⸗ tete Sie, weil Sie Achtung verdienen, und wenn ich ſelbſt dem feurigſten Dringen, Ih⸗ nen zu ſagen, daß ich Sie liebe, widerſtand, ſo wuͤrde es mir ſehr leicht geworden ſeyn: Nein! zu ſagen, wenn ich dazu Luſt gehabt haͤtte.
Ich verbiete Ihnen, mir die Liebe wieder⸗ zugeben, die ich Ihnen gab. Sie haben ſelbſt nicht allzuviel, da Sie es nicht wagen, Sich mir unbedingt hinzugeben; und wenn ich fin⸗ den ſollte, es fehle mir daran, ſo weiß ich ſchon, woher zu nehmen. Wenn Sie einſt mehr Liebe haben, als ich wuͤnſche, ſo werde ich Ihnen ſchon ſo viel entwenden, als ich bedarf. Adieu.
Verbrennen Sie meinen Brief, wenn Sie ihn geleſen haben, und kommen Sie Nachmit⸗ tags gewiß. Ich glaube deutlich genug gewe⸗ ſen zu ſeyn, und darf es wol nicht erſt durch


