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Leucippe ſchwieg auch aus dem naͤmlichen Grunde, obgleich zu ihr keine Botſchaft aus dem Tempel gekommen war. Sie war noch faſt ein Kind, man kannte ſie wenig. Es ſchien, man hatte dort gar keine Ruͤckſicht auf ſie genommen. Nicht minder ſchwer, nicht minder erkämpft war der Entſchluß, dem Gluͤck ihres Vaters alles zu opfern, ſelbſt den ſtillſten, leiſeſten Wunſch des Herzens. Ach, in dieſem jungen Herzen wohnte bereits Liebe. Jene legten bloß Hoffnung auf Kronen auf den Altar der Nothwendigkeit, Leu⸗ cippe war bereit, der kindlichen Liebe ihr inner⸗ ſtes Selbſt darzubieten. 3
Die Stille, die auf die entſcheidenden Worte des Koͤnigs gefolgt war, ward bald durch lautes Getuͤmmel im Vorhof unterbrochen. Die Fluͤ⸗ gelthuͤren oͤffneten ſich, eine unabſehliche Menge Volks war auf dem weiten Platze in grauer Morgendaͤmmerung verſammelt. Der Koͤnig fuͤhrte die zitternden Toͤchter einige Stufen hinab. Das Freudengeſchrei des ungezaͤhlten Haufens empfing ihn. Die Namen, Koͤnig und Vater des Volks, wurden ihm herz⸗ licher zugerufen, als ſie ihm vielleicht je getoͤnt


