Teil eines Werkes 
8. Bd. (1815)
Entstehung
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Schlacht. Boten, von Tod, Verluſt und Nie⸗ derlage, unterbrachen jetzt die glaͤnzendſten Feſte.

Leucippe, die trauernde Leucippe, Theilneh⸗ merin an keiner Freude, mit welcher man die heimliche Angſt zu verſchleiern ſuchte, kannte jetzt keinen lindernden Genuß als im Schooße der Natur, der wildeſten, furchtbarſten, die ſie fin⸗ den konnte. Außer dem Leid, das jetzt jeder Ver⸗ nuͤnftige fuͤhlen mußte, nagte noch ein geheimer Gram an ihrem Herzen; niemand als die Goͤtter hatte ihn ergruͤndet. Sie trug ihn in die tiefſte grauenvollſte Einſamkeit. Wo Abgruͤnde gaͤhn⸗ ten, wo Stroͤme ſich von wilden Felſen ſtuͤrzten, wo Schatten ewiger Cedern das Licht des Tages verbanneten, da war auch ſie. Ihr Herz ſuchte die Stelle, wo ſie weinen, wo ſie Rettung flehen konnte; ihr Herz ſuchte den Altar der heiligen Nemeſis: es nannte ihn nicht, aber ſchnell hatte es ihn gefunden. Ein dicht verwachſenes Ge⸗ buͤſch fuͤhrte unvermerkt auf die geweihte Stelle, die die Vaͤter dem Meere entriſſen hatten, um ſie der furchtbarſten aller Maͤchte zu weihen. Die Wellen hatten ihr Eigenthum nicht wieder⸗ nehmen duͤrfen; tief unten tobte die Brandung⸗