Teil eines Werkes 
8. Bd. (1815)
Entstehung
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Laßt, ihr Goͤtter, das war das Gebet, mit dem ſie immer erwachte,laßt ſtets der Tugend mich treu, und voll Demuth wie eine Sterbliche wandeln.

So ſanft Leucippens Traͤume waren, ſo mußten ſie doch auch warnend ſeyn. Laß uns das Heiligthum der großen Nemeſis beſuchen, flehte ſie eines Morgens mit der Miene der Angſt an dem Throne ihres Vaters. Ich weiß, daß uns die Naͤcherin zuͤrnt, ich ſah es im hei⸗ ligen Traume.

Leucippe konnte nicht leicht eine Fehlbitte thun; auch jetzt fand ſie Gewaͤhrung, und die Schwierigkeit der Erfuͤllung lag nur darin, daß niemand wußte, wo das Heiligthum der ernſten Thatenwaͤgerin ſei. Man hatte Traditionen, daß, als der erſte Minyas das Koͤnigreich aus der Hand Neptuns ſeines Vaters erhielt, ein ſolcher Tempel erbauet wurde; er ſollte auf einer Klippe des dem Ocean entriſſenen Landes geſtan⸗ den haben: aber wahrſcheinlich hatten die Wellen ihr Recht an ihm behauptet, und ihn laͤngſt wieder an ſich geriſſe. Man ſorgte nicht um ihn, man konnte ihn bei den glaͤnzendern Hei⸗