69
Du, ein und zwanzigjaͤhriger Juͤngling, mit gluͤhender Phantaſie, und voll Enthuſiasmus fuͤr jedes Edle und Schoͤne, wareſt der Fuͤhrer und Lehrer des ſechszehnjaͤhrigen Maͤdchens, und der ruhige Ernſt des Mannes thronte auf deiner Stirn, wenn das brennende Auge die Gluth deines Innern verrieth. Und was waͤre aus mir geworden, wenn du weniger edel wa⸗ reſt, da ich mich dir mit der ganzen Fuͤlle meiner Liebe hingab?— Das iſt es, was mich an dich feſſelt mit unaufloͤßlichen Banden! das iſt es, was mich einſt wieder zu dir fuͤhrt, wenn ich es frei geſtehen darf, was du mir warſt und biſt, wenn kein irdiſches Verhaͤltniß mehr die ſchoͤnen Bande trennt, die Geiſter an einander knuͤpfen. Aber daß ich dir dann ruhig entgegen eilen moͤge, dies zwingt mich jetzt, mich ganz von dir loszureißen, und ich, die ich alle Menſchen mit Liebe umfange, wuͤrde den haſſen koͤnnen, der dieſen Zwang Schwaͤr⸗ merei nennen moͤchte. Tief im Innern ruft eine heilige Stimme, gleich der Stimme mei⸗ nes Freundes, mir zu: ſo mußt du handeln; und du verſtehſt mich, du fuͤhlſt es heilig, wie


