Teil eines Werkes 
3. Bd. (1815)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ʒÿ 2 9

wagte es, ſeinen Beiſtand zu erflehen. Er hatte Erbarmen mit der Verblendung einer Unwuͤrdi⸗ gen: ich fuͤhlte neue Kraͤfte in mir, und ſtand getroſt auf. Ich kleidete mich eilig an alles war ſtill im Kloſter. Ich oͤffnete meine Thuͤr leiſe, trat heraus, und verſchloß wieder. Nun ſchlich ich mit bebenden Schritten und einem Herzklopfen, vor dem ich kaum athmen konnte, durch die langen, finſtern, widerhallenden Klo⸗ ſtergaͤnge, deren Hauptgewoͤlbe durch einige Lam⸗ pen nur bis zur matteſten Daͤmmerung erleuch⸗ tet wurden.

Auf einmal ward ich durch einen Anblick be⸗ troffen, der mein Haar emportrieb und alle Schauder des Todes uͤber mich ausgoß. Ich ſah in einem dunkeln Winkel die weiße Geſtalt einer Nonne in einem Beichtſtuhl ſitzen, und, wie mir's ſchien, mit vorgeducktem Haupt auf etwas lauern. Ich erſtarrete, ich glaubte dar⸗ nieder zu ſinken: indem flackerte das dem Erloͤ⸗ ſchen nahe Laͤmpchen heller auf, und ich ſah, daß es eine Laienſchweſter war, die dort vom Schlafe war uͤbereilt worden. Ach, haͤtte ich doch dieſer erſten Warnung Gehoͤr gegeben, um