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von diplomatiſcher Verſtellung, die Fürſtin ſprach die zar⸗ teſten Muttergefühle aus, ihre Sehnſucht nach dem ſo lange von ihr getrennten Sohne, bedauerte auch die Krank⸗ heit Eva's tief, als ſei ihr durch dieſes Leiden auf einmal das Herz für dieſelbe aufgegangen, und deutete endlich Victor an, daß ſie auch ſeinen Beiſtand in vertraulicher Weiſe anzuſprechen genöthigt ſei; ſie vermied Alles, was ihn oder Eva verletzen konnte, und ſtellte ſich ſelbſt als reuig, tief niedergedrückt und hülfsbedürftig dar, ohne ſich doch gerade durch offene Ausſprache zuviel zu vergeben.
Victor wurde durch dieſes Schreiben noch mehr über⸗ raſcht wie ſeine Mutter durch ſeinen Brief. Er hatte, wenn überhaupt eine Antwort, eine kalte und hochmüthige erwartet, und wie ganz anders klangen dieſe Worte?— hatte das mütterliche, ſo natürliche Gefühl doch endlich den Sieg davon getragen?— bereute die Fürſtin, was ſie an ihren Kindern verſchuldet, und fühlte ſich nun gedrungen, dies wieder gutzumachen? Gewiß hatten ſie nur ſehr traurige Erfahrungen dahin gebracht, aber gleichviel, an das Herz des Sohnes mußte die lange vorenthaltene mütterliche Liebe doch wieder ſprechen. Seine Mutter ver⸗ langte dringend nach ihm,— es war ſeine Pflicht, dieſem Rufe zu folgen.


