Teil eines Werkes 
2. Bd. (1858)
Entstehung
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Doctor Mittermann das Zimmer und Roſenthal, Ida aber ſank in einen Seſſel, bedeckte das glühende Geſicht mit ihrem Taſchentuche und weinte bittere Thränen, nicht der Reue, ſondern nur der Beſchämung, ſich, dem edelgebornen Fräulein, ſolche harte Dinge von dem ſchlichten bürger⸗ lichen Doctor ſagen laſſen zu müſſen.

Seit dieſen Begebenheiten, die wir eben erzählten, ſind jetzt ſchon mehrere Jahre vergangen, und noch führt man, wenn von einer recht glücklichen, friedlichen Ehe die Rede iſt, in jener Gegend die des höchſtgeſtellteſten und reichſten Man⸗

nes als Beiſpiel an, des Grafen Egmont Eldor, eine Sel⸗

tenheit, denn, wie man ſagt, wohnt das Glück meiſtentheils

nicht in Paläſten; wer dieſes Urtheil über den Grafen und 6 ſeine noch immer liebenswürdige und hochverehrte Gattin aber hören will, der frage nicht in der höhern Geſellſchaft nach, denn dort nennt man ſeinen Namen entweder gar nicht oder nur flüſternd, ſondern in den Häuſern und Hüt⸗ ten der Dörfer, die zu ſeinen Beſitzungen gehören oder letzteren benachbart ſind. Das Geſicht des biederen Land⸗ mannes wird dann lebendiger und freundlicher, er drückt die Aſche in der kurzen Pfeife feſter auf, thut ein paar

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